Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Avatar

Die Werbekampagne zu Avatar ist wahrscheinlich nicht an euch vorbei gegangen - außer ihr wart seit einem Jahr nicht mehr im Internet und/oder in der Öffentlichkeit. Also wisst ihr wohl auch, worum es in dem Film geht. Hier ist trotzdem die Kurzfassung: Der mit dem Wolf tanzt auf einem anderen Planeten. Innovativ ist das sicherlich nicht, aber wer von Avatar tiefschürfende Dialoge und komplexe Themen erwartet, sitzt im falschen Film. Wenn man jedoch auf die geilsten Bilder hofft, die das menschliche Auge je im Kino gesehen hat, wird man garantiert nicht enttäuscht.

Avatar und Titanic sind sehr ähnliche Filme. Bei beiden ist die Handlung total vorhersehbar (“Ob der Kahn wohl absäuft?”, “Ob die Navi wohl am Ende gewinnen?”), die Charaktere sind wandelnde Klischees, die Geschichten so simpel, dass sie fast wie Märchen wirken. Man merkt, dass das alles Cameron nicht so richtig interessiert. Er arbeitet Charaktere und Handlung gerade so weit aus, dass man sich mit den Hauptfiguren identifizieren und dem Film folgen kann. Was ihn interessiert, ist die Welt, in der sich seine Geschichten abspielen. In Titanic das zum Untergang verurteilte Schiff, in Avatar der Planet Pandora. Diese Welt gestaltet er mit unglaublicher Perfektion und Leidenschaft. Ihm dabei zuzusehen, hat mir einen solchen Spaß gemacht, dass der Rest kaum noch auffiel.

Nur einen Vorwurf muss ich Cameron machen. Die Kultur der Navi - ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass das eine Abkürzung ist, die für “New Age Virtual Indians” steht - bleibt zu blass, das Volk an sich zu naiv und humorlos. Hier hätte ein wenig mehr Der mit dem Wolf tanzt nicht geschadet.

Trotz dieser Einschränkung ist Avatar ein geiles Erlebnis - vor allem im IMAX und in 3D. Ohne Raumschiff wird man auf absehbare Zeit einem fremden Planeten wohl nicht näher kommen. Kudos, Mr. Cameron. Das Warten hat sich gelohnt.