Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Black Dynamite

Dritter Tag des Festivals, der dritte Film, den ich gesehen habe und der zweite Gewinner. Black Dynamite ist eine Parodie auf die Blaxploitation-Filme der Siebziger, allen voran Shaft. Diejenigen, die keine Ahnung haben, wer oder was Shaft war, werden wahrscheinlich eher kopfschüttelnd in Black Dynamite sitzen, alle anderen dürften bei Martial-Arts-Einlagen in Schlaghosen, wildestem Sexismus und kreischendem Siebziger-Soundtrack auf ihre Kosten kommen.

Michael Jai White spielt Black Dynamite, eine Ein-Mann-Kampfmaschine, Ex-CIA-Agent, Ex-Vietnamkämpfer, Zuhälter (ohne Ex-) und Kämpfer gegen den Drogenhandel. Als sein Bruder ermordet wird, hört für Black Dynamite der Spaß auf, und er begibt sich auf einen Rachefeldzug durch die Unterwelt von Los Angeles.

Mit dieser simplen Prämisse beginnt Black Dynamite, aber so wie in den Blaxploitation-Krachern der Siebziger verliert sich die Handlung schon kurze Zeit später in nicht nachvollziehbaren Logiksprüngen und Dialogen, die nur dazu dienen, den nächsten Kampf vorzubereiten. Die Protagonisten bewegen sich vollkommen ernst durch das Chaos, was das Ganze natürlich umso komischer macht.

Michael Jai White ist phänomenal gut: er spielt nicht nur Black Dynamite, sondern einen Kampfsportler, der Black Dynamite spielt und in emotionalen Szenen entsprechend hölzern wirkt. Die anderen Schauspieler passen sich seinem Niveau an. Wir sehen B-Schauspielern in einer B-Produktion zu, so wie sie zu Dutzenden nachts auf Kabel 1 laufen. Es gibt Mikrofone, die ins Bild hängen, Anschlussfehler, Autoexplosionen, die man um Geld zu sparen, einfach zweimal zeigt, Stock Footage, usw. Black Dynamite hält sich dabei strikt an die Regeln des Genres, übertreibt sie nur ein wenig… okay, übertreibt sie ziemlich.

Die schrägen Siebziger-Kostümen, die entsprechende Deko und vor allem der großartige Soundtrack - jeder Auftritt von Michael Jai White wird von einem kreischenden “Black Dynamite”-Chor begleitet - erzeugen eine Komik, die den Film locker über die erste Stunde trägt. Danach geht ihm allerdings zwanzig Minuten lang ein wenig der Atem aus. In den letzten zehn dreht er dann wieder richtig auf. Das Schlussbild, das natürlich nicht verraten werden soll, bringt den Film auf den Punkt.

Dass man danach Bock behommt, Shaft noch mal zu sehen, ist ein großes Kompliment an den Film, denn: Who is the man That would risk his neck for his brother man? Shaft! Can ya dig it?