Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Brüno

Brüno, Sasha Baron Cohens neuester Film nach dem großartigen Borat - Cultural Learnings of America For Make Glorious Nation of Kazakhstan (und ja, der komplette Titel muss wenigstens einmal im Text sein) ist obszön, eklig, beleidigend und an der Grenze zur Pornographie. Trotz all dieser Dinge, die für ihn sprechen, ist er leider nicht so richtig gut geworden.

Woran liegt’s?

In Brüno geht es um einen österreichischen, schwulen Talk-Show-Moderator, der nach einem Zwischenfall, bei dem das Wort Klettverschluss eine große Rolle spielt, nach Amerika aufbricht, um berühmt zu werden. Er versucht sich als Schauspieler, Moderator, Journalist, Wohltäter und legt schließlich sogar seine Homosexualität ab, um sein Ziel zu erreichen. Dabei gerät er in einige äußerst skurrile Situationen und trifft die merkwürdigsten Leute.

Wer jetzt denkt: “Hey, das ist wie Borat, nur in schwul”, liegt richtig. Wie schon in diesem Film bedient sich Sasha Baron Cohen einer Kunstfigur, um reale Leute in von ihm inszenierten Situationen bloßzustellen. So will er sich von einem Priester von seiner Homosexualität heilen lassen und erfährt, dass er die Klarinette nur spielen sollte, wenn sie ihn nicht an sein früheres Leben erinnert. Er fragt einen Kampfsportlehrer, wie man sich gegen einen Mann mit einem Dildo wehrt, versucht den Nahostkonflikt beizulegen, und so weiter. Das ist alles ganz lustig, einige Szenen sind sogar schreiend komisch, trotzdem kommt er nicht an Borat heran.

Borat ist ein Charakter, den Peter Sellers hätte spielen können. Unschuldig, naiv, jemand, der allein durch seine Anwesenheit Menschen dazu bringt, sich selbst zu entlarven. Gegen ihn wirkt Brüno wie Stefan Raab. Seine Situationskomik entlarvt nicht, sie führt nur vor. Borat würde in die Menge rufen, dass der Kaiser keine Kleider trägt, Brüno reicht es, auf die Zuschauer zu zeigen und zu erklären, wie blöd sie sind.

Hinzu kommt, dass viele der Menschen, die er vorführt, nett sind. Das Talkshow-Publikum, dem er seinen angeblichen Adoptivsohn zeigt, regt sich zu recht auf, der Abgeordnete Ron Paul bricht zu recht ein Interview ab, und selbst der Kampfsportlehrer, der zu einigen schwulenfeindlichen Äußerungen förmlich genötigt wird, wirkt nicht wie ein Arschloch. Das war in Borat ganz anders. Ich sage nur: antisemitischer Fahrlehrer.

Ein einziges Mal erreicht Brüno die Größe, die man von ihm erwartet hat. Ich will nicht spoilern, weil die Szene im Trailer fehlt, nur so viel: Paula Abdul + Mexikaner = unbezahlbar.

So schlecht, wie diese Kritik jetzt klingt, ist Brüno nicht. Er hat tolle, wirklich komische Momente, und ich bereue nicht, ihn gesehen zu haben. Aber er hätte viel mehr sein können als eine Ansammlung von YouTube-Videos.