Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Chained

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Das Leben ist zu kurz für einen Film wie Chained. Die Geschichte um einen Serienkiller, der einen neunjährigen Jungen entführt und versucht, ihn zu seinem Nachfolger zu erziehen, ist eine Lektion in Frustration (auf Seiten des Publikums) und Selbstüberschätzung (auf Seiten der Regisseurin).

Dabei fängt er richtig gut an. Die erste Viertelstunde, in der Rabbit, so der Name, den der Serienkiller dem Jungen gibt, in diese neue, schreckliche Welt gestoßen wird, funktioniert sehr gut, doch dann begeht der Film einen fatalen Fehler: Er springt zehn Jahre in die Zukunft und erzählt die restliche Geschichte aus der Sicht des älteren und natürlich total gestörten Rabbit. Damit ist man als Zuschauer aus dem Film raus, man verfolgt den Rest aus großer Distanz, weil man zu keiner der beiden Figuren eine Beziehung aufbauen kann - außer vielleicht, man ist selbst ein Serienkiller, das würde wohl helfen.

Was Chained jedoch zu einem richtigen Frustfilm macht, ist die brillante schauspielerische Leistung seiner Hauptdarsteller: Vincent D’Onofrio als Bob, Evan Bird und Eamon Farren als jüngerer und älterer Rabbit. Hätte man dieses Können in eine vernünftige Inszenierung und ein gutes Drehbuch eingebettet, wäre ein toller Film möglich gewesen.

Doch in dieser Hinsicht versagt Jennifer Chambers Lynch, Tochter von David Lynch, leider. Ihre Inszenierung schleppt sich vorhersehbar und zäh bis zu dem völlig behämmerten Ende dahin. Es gibt keine Sekunde Humor und nur eine unerwartete Wendung (siehe Stichwort “behämmert”), ansonsten erstickt der Film an seiner eigenen Wichtigkeit.

Jennifer Chambers Lynch

Die Regisseurin beantwortete nach dem Film noch einige Fragen und erklärte, Chained würde in den USA nur geschnitten ins Kino kommen “because it’s too intense and feels too real”. Man könnte es auch anders sagen: Jede Minute, die man sich von Chained nicht ansehen muss, ist eine gute Minute.

2/5 wegen der tollen schauspielerischen Leistung.