Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Das A-Team

Ein paar von euch, die wie ich schon Logan’s Run-untaugliches Alter erreicht haben, erinnern sich vielleicht noch an die 80er-Jahre-Fernsehserie, in der eine Gruppe fälschlich beschuldigter Ex-Soldaten Leuten mit Problemen half und gleichzeitig versuchte, den eigenen Namen reinzuwaschen. Das Remake kann man mit vier Worten zusammenfassen: laut, schnell, laut und laut. Aber es geht natürlich auch länger.

Der Trailer unterstellt dem Film fälschlicherweise zwei Dinge: Kohärenz und Story. Beides spielt im fertigen Produkt keine Rolle mehr. Zwar folgen Dinge aufeinander - es geht anscheinend um irgendwelche Gelddruckplatten, die gestohlen werden und die nun jeder haben will - und ab und zu ergeben diese Dinge sogar Sinn, aber Handlung würde ich das nicht nennen, eher “Gelaber, um von einer Actionszene zur nächsten zu gelangen”. Dabei ist das Gelaber teilweise sehr clever inszeniert. Zum Beispiel wird ziemlich am Anfang zwischen einer Verfolgungsjagd und der Planung der Szene hin und her geschnitten, was wirklich gut funktioniert. Regisseur Joe Carnahan fand das dann auch gleich so geil, dass er den selben Trick später noch einmal anwendet, was allerdings weitaus weniger gut funktioniert.

A-Team steht für Action-Team, das wird einem in der Anfangsszene klar. Alles ist laut: Autofahren, Fliegen, Geballere, selbst die Dialoge werden geschrien. Der Film beruhigt sich ganze drei Minuten lang, in einer unfreiwillig komischen Szene, in der B.A. und Hannibal über Gandhi reden. Danach kehrt The A-Team dankenswerterweise zu dem zurück, was es kann, nämlich Action. Und die macht richtig Spaß. Ständig fliegt irgendwas in die Luft, es gibt eine großartige Hubschrauberverfolgungsjagd, bei der sogar die Bösen Murdochs Flugstil bewundern, und eine Szene mit einem Panzer, auf die man erst mal kommen muss.

Für deutsche Zuschauer gibt es auch ein Highlight. Ein Teil des Films spielt in Frankfurt und ich sage nur so viel: Freut euch auf die Luftaufnahme des Frankfurter Bahnhofs.

Die Fans der alten Serie sollen mit zwei nanosekundenlangen Gastauftritten von Dirk Benedict und Dwight Schultz zufrieden gestellt werden, aber ich bezweifle, dass das gelungen ist. Obwohl der Spaßfaktor hoch ist und die Besetzung (vor allem Liam Neeson und Bradley Cooper) aus ihren Rollen herausholen, was sie können, hat man die ganze Zeit den Eindruck schlechten Elvis-Imitatoren zuzusehen. Sie tragen die richtigen Kostüme, sagen die richtigen Dinge, wirken dabei aber wie gefangen in einer fremden Identität. Wäre man weiter von den cartoonigen Originalfiguren weggegangen, hätten die Schauspieler mehr Spaß gehabt und damit wir auch. So reicht es für Neeson & Co leider nur zum B-Team.

Ihr wusstet, dass ich den bringen würde, oder?