Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Evil Dead - Die Rückkehr der bösen Toten

Alles Böse kommt von unten

Es hätte so schön sein können. Eine Gruppe junger Leute beschließt, ein Wochenende in einer abgelegenen Hütte im Wald zu verbringen, um der Schwester des einen Typen dabei zu helfen, von den Drogen runterzukommen. Bei einem Titel wie Evil Dead rechnet man natürlich nicht im Traum damit, dass da irgendetwas schiefgehen könnte. Und die Anfangssequenz, in der ein Vater seine eigene Tochter zuerst anzündet und dann erschießt ist sicherlich nur eine Metapher für … für … ihr habt keine Ahnung, wo ich damit hin will, oder?

Sagen wir es so: Wer auf diese Weise an einen Horrorfilm herangeht, hat die gleiche Geisteshaltung wie die Protagonisten von Evil Dead. In die Hütte wurde offensichtlich eingebrochen, es stinkt wie Sau und der ganze Keller hängt voller toter Tiere. Ein normaler Mensch würde spätestens nach diesem Anblick sagen: “Wisst ihr was? Scheiß drauf, ich fahr nach Hause”, aber unsere Protagonisten bleiben locker und räumen auf. Vielleicht haben die Tiere ja alle Selbstmord begangen, wer weiß. Bei dieser Aktion finden sie ein altes, nicht gerade vertrauenerweckend aussehendes Buch, das jemand in Stacheldraht eingewickelt hat. Logisch, dass der Nerd (klar zu erkennen an der Brille und den langen Haaren) das erst mal öffnet. Ebenso klar ist, dass er die Worte darin, neben die jemand in blutroten Lettern ACHTUNG! NICHT AUSSPRECHEN, SONST WERDEN ALLE STERBEN (oder so) geschrieben hat, sofort ausspricht.

Wer macht so was?

Die Truppe in Cabin in the Woods hatte einen Grund, sich so zu benehmen, als hätte Hannibal Lecter aus ihrem offenen Schädel gefrühstückt, aber in Evil Dead wird niemand mit Verdummungsdrogen eingenebelt, es gibt also keine Entschuldigung.

Dafür aber sehr viel Spaß für den Zuschauer, denn dank des behämmerten Verhaltens aller Beteiligten kommt man nach rund dreißig Minuten Geplänkel in den Genuss eines äußerst blutigen und kreativen Gemetzels. Mit jedem Charakter, der von Dämonen besessen wird, steigert der Film sein Tempo und seinen Irrsinn. Alltagsgegenstände werden zu Tatwaffen, übelste Verletzungen können mit ein paar Streifen Klebeband geheilt werden und Körperteile entwickeln ein noch aus dem Original bekanntes Eigenleben.

Einen so kompromisslosen, kleinen Horrorfilm, dazu noch mit handgemachten Effekten und ohne jedes CGI habe ich schon lange nicht mehr im Kino gesehen. Ich bin ein Fan der momentanen Spukhauswelle, aber Evil Dead hat mir verdeutlicht, wie sehr ich den klassischen “Ich-bin-zwar-doof-aber-guck-mal-wie schön-das-Blut-spritzt”-Horror vermisst habe. Der könnte sich als Gegengewicht zu schlagenden Türen und flüsternden Stimmen im Kleiderschrank gern wieder etablieren.

4/5

Fans des alten Films sollten übrigens den Abspann zu Ende sehen, nur so als Tipp.