Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Von Ratten, Robotern und Rettern

Wow, 2007 ging echt schnell vorbei – na ja, mal abgesehen von den eineinhalb Stunden The Fountain, aber dazu später. Wollen wir uns also mal ansehen, was das Jahr so zu bieten hatte: die Highlights und was auch immer das Gegenteil davon ist. Lowlights? Lowshadows? Lowdarks?

Wie ihr vielleicht bemerkt habt, bin ich geistig heute nicht so ganz auf der Höhe. Das schiebe ich auf den ersten Film in unserer Kategorie “Die Flops des Jahres 2007” und der lautet:

5 The Fountain Falls ihr den gesehen haben solltet und nicht mehr wisst, worum es geht, macht euch keinen Vorwurf. Ich wusste während des Films bereits nicht mehr, worum es geht. Dabei ist das eigentlich ganz einfach: ein Conquistador (Hugh Jackman) sucht irgendwo in Mittelamerika nach dem Baum des ewigen Lebens, weil er hofft, damit seine Königin (Rachel Weisz) befreien zu können. Gleichzeitig, nur fünfhundert Jahre später, versucht ein Wissenschaftler (immer noch Hugh Jackman, seine todkranke Frau (und wieder mal Rachel Weisz) durch ein Heilmittel, das aus Bäumen gewonnen wird, zu retten. Und zuletzt ist da noch ein Typ, der neben einem Baum rumhängt und einem sterbenden Stern entgegen fliegt. Der Typ sieht aus wie Hugh Jackman, aber verwirrenderweise wird der Baum nicht von Rachel Weisz gespielt. Die schwebt irgendwie in dieser Atmosphärenblase, in der der Typ sitzt, herum und spamt Glückskekse-Weisheiten. Und wenn ihr euch jetzt fragt, was das Ganze soll, dann kann ich nur sagen: die Bäume sind die Antwort auf unsere ewige Suche nach Liebe, auf die Frage nach Unendlichkeit, der Einheit zwischen mir, dir und dem Universum, Sein und Schein, Kaugummi mit oder ohne Zucker, Tee oder Kaffee, spannender Unterhaltung oder neunzig Minuten ödem Schwachsinn. Ok, vor allem auf letzteres sind sie die Antwort.

4 Transformers Die Bäume hatten mich gewarnt. “Gebe keine € 8,50 aus”, sagten sie. “Kauf dir lieber Small Soldiers oder Gremlins, denn jeden Gag, den du in Transformers sehen wirst, kennst du bereits aus diesen Filmen. Und in denen konntest du wenigstens die Protagonisten voneinander unterscheiden.” Ich hätte wissen müssen, dass sie recht hatten. Bäume lügen nun einmal nicht, abgesehen von der kleinen miesen Buche neben dem Halteverbotsschild, die meinte, die Politessen kämen dort nie vorbei. Schlampe. Aber im Allgemeinen lügen Bäume nicht. Und sie haben einen ziemlich guten Filmgeschmack.

3 Pathfinder Die Besiedelung Amerikas stellt man sich in etwa so vor: zuerst kamen die Spanier, dann die Engländer, Franzosen und Russen. Alle plünderten Ressourcen, bauten Siedlungen und brachten den Ureinwohnern das Christentum, egal, ob die Bock hatten oder nicht. Aber nein, sagt Pathfinder, vor ihnen waren die Wikinger und die hatten nur eines im Sinn: metzeln.

Ok, die sind also achttausend Kilometer ohne Kompass und ohne Dixie-Klos über den Atlantik gefahren, um andere Menschen abzuschlachten. Hätten sie das nicht zuhause gekonnt? Aber selbst wenn man diese äußerst behämmerte Prämisse kauft, macht Pathfinder keinen Spaß, denn die Dialoge der Ureinwohner beschränken sich hauptsächlich auf die “Aaaaarrrgghhhhs” und “Iiiiiiiiiiyaaagrz”, die sie ausstoßen, während sie mit einer Axt im Kopf ihr Leben beenden. Zehn Minuten lang ist das lustig. Leider dauert Pathfinder über hundert Minuten. Allerdings gibt es einige sehr schöne Bäume, die man sich im Hintergrund ansehen kann.

2 Highlander: The Source Eine kurze Wortmeldung bitte von jedem, der nicht gemerkt hat, dass im Herbst ein neuer Highlander-Film erschienen ist. Macht nichts, ihr habt nichts verpasst. Im Gegenteil, denn nach diesen eineinhalb Stunden verschenkter Lebenszeit fragt man sich schon, ob vielleicht alle Beteiligten gemeinsam beschlossen haben, den Film nachts heimlich in die Videotheken zu bringen und zu hoffen, dass ihn niemand bemerkt. Kurz zur Handlung: Duncan MacLeod (Adrian Paul) und die anderen Unsterblichen suchen nach dem Heiligen Gral, der angeblich den Ursprung ihrer Unsterblichkeit in sich trägt. Zwischendurch wird viel rumgeschrien und gekämpft, aber meistens im Dunkeln, sodass man nicht wirklich etwas erkennen kann. Selbst Adrian Paul würde kaum auffallen, trüge er nicht eine Perücke, die aussieht, als wäre dies der Ort, an den sich Eichhörnchen zum Sterben zurückziehen. Auch für den härtesten Highlander-Fan, wenn es denn noch einen geben sollte, nicht zu empfehlen.

1 Kopierschutz Nein, das ist nicht etwa der schlechteste Filmtitel des Jahres, sondern der ernstgemeinte Versuch der Film- und Musikindustrie, das geistige Eigentum ihrer Künstler möglichst wenigen Menschen zugänglich zu machen. DRM verhindert, dass man Musik, die im Internet gekauft wurde, im Autoradio hören kann, während DVDs mit minutenlangen, nicht überspringbaren Warnungen in deutsch, englisch, französisch, russisch und altbabylonisch nerven. Man stelle sich das mal im Medium Buch vor: man kauft einen Roman, auf dessen ersten Seiten man mit Geldstrafen und Gefängnis bedroht wird und stellt anschließend fest, dass man ihn zwar zuhause auf der Couch lesen kann, aber nicht in der Bahn. Und wer den Roman verleiht, sollte besser schon mal die erste Staffel Prison Break auswendig lernen – vorausgesetzt man schafft es, mehr als die Warnhinweise zu sehen, bevor die Polizei vor der Tür steht.

Aber es gab auch angenehme Momente in diesem Jahr und einer davon wurde uns aus einer unerwarteten Quelle präsentiert, nämlich von

5 Paramount Irgendwie hatte man in den letzten Jahren den Eindruck, dass Star Trek das leprakranke Kind des Studios war, das man zwar mit den anderen Kindern in die Schule gehen ließ, das aber nur abgetragene Klamotten tragen durfte und bei dem man wegsah, wenn mal ein Finger abfiel, oder wie im Fall von Enterprise, gleich der ganze Kopf. Es scheint jedoch, als sei Paramount aus seiner Lethargie erwacht. Nicht nur, dass man das Budget von $90 Millionen auf $150 Millionen erhöht hat, man hat mit J.J. Abrams sogar einen Regisseur verpflichtet, der nicht einfach einen Star Trek-Film drehen wird, sondern dem ganzen Universum eine neue Richtung geben könnte. Ob die gegen eine Wand führt oder zu einem Neuanfang, wird man sehen, aber diese Entscheidung ist zumindest mutig. Wie man im Poker sagen würde: Paramount ist all in. Respekt.

4 Hot Fuzz Wo wir gerade bei Simon Pegg sind (für alle, die sich in den letzten Monaten auf der Flucht vor der Musikindustrie in Nordkorea aufgehalten haben: Simon Pegg wird Scotty in Star Trek spielen), sollten wir über Hot Fuzz reden. Ein harter Bulle beschämt seine Kollegen durch seine Erfolgsquote so sehr, dass sie seine Versetzung in ein scheinbar harmloses englisches Dorf erwirken. Dass das schiefgehen wird, weiß der Zuschauer spätestens dann, wenn der erste abgeschlagene Kopf an der Kamera vorbei fliegt. Und danach wird es nur noch besser. Man muss Actionfilme schon lieben, um eine so gute Parodie auf das Genre drehen zu können. Alle Klischees werden bedient, es gibt Verfolgungsjagden, der Blutgehalt stimmt… das lässt sich schwer toppen außer vielleicht durch: a) Zombies b) Bruce Willis c) viel mehr Blut d) Robert Rodriguez oder kurz gesagt:

3 Planet Terror Der erste der beiden Grindhouse-Filme, die in Europa leider von den Verleihern getrennt und separat aufgeführt wurden, weil man dachte, das europäische Publikum peile nicht, was Grindhouse ist. Stimmt wahrscheinlich, in den USA peilte es nämlich auch niemand, weshalb Planet Terror und Death Proof gnadenlos untergingen. Das heißt allerdings nicht, dass es schlechte Filme sind. Death Proof ist gut, aber Planet Terror gehört in die Top 5, weil er so trashig ist wie eine italienische Videoproduktion der 70er Jahre. Die Handlung – vom Militär entwickelter Zombievirus gerät außer Kontrolle – würde zwar den Innovationspreis der US-Filmschaffenden knapp verfehlen, aber ähnlich wie Hot Fuzz spielt Planet Terror mit den Klischees seines Genres und beeindruckt durch ein geradezu unglaubliches Gemetzel.

2 Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot Der deutsche Titel klingt vielleicht nicht gerade vielversprechend – abgesehen natürlich von dem Wort “Zombie” - aber dahinter verbirgt sich ein Roman namens World War Z vom amerikanischen Autor Max Brooks. In Interviews mit Überlebenden wird die Geschichte eines weltweiten Krieges gegen Zombies erzählt, von den ersten Scharmützeln bis hin zur Beinahe-Apokalypse. Das Ganze wirkt so realistisch, dass man sich als Leser unwillkürlich fragt, wie man selbst handeln würde, wenn eines Morgens auf einmal ein Zombie vor der Tür stünde und nicht der Typ von UPS. Außer der Zombie und der Typ von UPS wären die gleiche Person, dann würde man ihm einfach den Kopf abtrennen (siehe Planet Terror für kreative Möglichkeiten) und anschließend das Paket entgegennehmen. Umgekehrt wäre das eine ganz schlechte Idee, weil… Ok, das geht jetzt vielleicht zu weit, aber ihr versteht, was ich meine: Operation Zombie ist wirklich realistisch.

1 Ratatouille Ja, nennt mich ruhig sentimentales Weichei, aber Ratatouille, ein Film über einen Ratte, die davon träumt, Koch zu werden, ist für mich der beste Film, den Pixar je gemacht hat, und das schließt Nemo ein. Es geht um Träume, Vorurteile, Gier und Freundschaft – und die Ratte ist echt niedlich… obwohl ich ihr natürlich sofort die Rübe wegblasen würde, wenn sie ein Zombie wäre. Ist sie aber nicht, deshalb kann man Ratatouille uneingeschränkt empfehlen.

Das war’s für dieses Jahr. Kommt gut ins nächste. Ich gehe jetzt einen Baum umarmen.