Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Four Lions: Lachen über den Jihad

In Berlin hat das Fantasy Filmfest begonnen, und der erste Film, den ich auf dem Festival gesehen habe, war gleichzeitig der, in den ich die größten Erwartungen gesteckt hatte: Four Lions, die Jihad-Komödie des britischen Komikers Chris Morris. Ob sie halten kann, was der spoilerlastige Trailer verspricht, erfahrt ihr nach dem Trailer.

Ja.

Einen Moment lang war ich versucht, die Kritik hier zu beenden, so gut hätte der kurze Kommentar zum lakonischen Humor des Films gepasst. Aber das wäre ein bisschen asi gewesen. Also erst mal zur Handlung: In Four Lions geht es um eine Gruppe englischer Pakistanis, die auf die Idee kommen, irgend etwas in die Luft zu sprengen. Es gibt anscheinend keinen konkreten Anlass dafür, aber jede Figur hat ihre eigenen, meist kleinlich anmutenden Gründe. Einer ist sauer auf seine Uniprofessorin, ein anderer findet eh alles scheiße, ein dritter ist zu dumm, um die Tragweite ihres Plans zu verstehen, und so weiter. Sie schimpfen auf die westliche, konsumorientierte Welt, haben aber gleichzeitig LCD-Fernseher, hören Popmusik und essen Bohnen auf Toast. Sogar ihre Sprache ist durch und durch englisch. Trotzdem wollen sie den Jihad nach England bringen.

Aus dieser Zerrissenheit der Figuren und ihrer totalen Unfähigkeit, zieht Four Lions seinen Humor. Und das nicht zu knapp. In zwei Szenen standen mir vor Lachen die Tränen in den Augen, über einen Moment lache ich jetzt noch. Doch wie bei guten britischen Komödien üblich, gibt es Humor nicht ohne Melancholie. Die entsteht hier aus der Erkenntnis, dass diese Figuren, die man als Zuschauer ohne Ausnahme mag, sich selbst und Unschuldige in die Luft jagen werden, sollte ihr Plan funktionieren. Ein wenig erinnert mich der Tonfall des Films an The Full Monty, in dem die Idee männlicher Stripper aus Arbeitslosigkeit und Armut geboren wird.

Ist Four Lions so gut wie The Full Monty? Definitiv, ich würde sogar sagen, besser. Der Film steckt voller großer und kleiner Momente, voller skurriler Figuren und saukomischen Situationen. Und er schafft es, dem Zuschauer die Gedankenwelt von Leuten näher zu bringen, denen man sonst nur im Panikjournalismus begegnet.

Ein Qualitätsmerkmal ist für mich immer die Frage, ob ich während des Films auf die Uhr gesehen habe. Allein davon ausgehend, ist Four Lions schon eines der Highlights des Jahres, denn ich wollte nicht, dass er endet.