Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Gesucht: Ein Gehirn

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Wanted macht wahnsinnig Spaß. Hundert Minuten lang wird geballert, gerast, gesprengt und gemordet - und das mit allem, was CGI, AVID-Computer und digitale Kameratechniken zu bieten haben. Da stört es auch fast nicht, dass das erste Wort, das einem beim Verlassen des Kinosaals einfällt, das gleiche sein dürfte, das man in Hauptdarsteller James McAvoys Gesicht die ganze Zeit über abzulesen glaubt:

Das fängt schon bei der Prämisse des Films an: Wesley (McAvoy) ist ein überängstlicher Verlierer mit einem Verlierer-Job, Verlierer-Freunden und einer Verlierer-Beziehung. Eines Tages erfährt er jedoch (und zwar auf die harte Tour), dass er in Wirklichkeit zu einer kleinen Gruppe von Superkillern gehört, die dank einer genetischen Besonderheit vom Schicksal auserwählt wurden, um andere platt zu machen.

Woher wissen sie, wen sie platt machen sollen? Ein Webstuhl verrät es ihnen.

Nein, ich habe nicht meine Medikamente abgesetzt. Es handelt sich tatsächlich um einen automatischen Webstuhl, der seit Jahrhunderten durch die Anordnung einzelner Fäden den Namen der Person verrät, die das Schicksal gerne in einem möglichst toten Zustand sehen würde. Aber natürlich kann nicht jeder die Namen lesen, wäre ja langweilig, diese Aufgabe ist allein Morgan Freeman, dem Chef der Killertruppe, vorbehalten. Ach ja, und der Webstuhl befindet sich übrigens in einer Fabrik mitten in Chicago. Dort stellt die Killertruppe nämlich in ihrer Freizeit Textilien her.

Okay, jetzt nehmt euch mal eine Sekunde. Trinkt einen Schluck Kaffee, atmet tief durch und schließt die Augen. Hört ihr die seltsamen Knallgeräusche? Das sind eure Gehirnzellen, die gerade beim Versuch, Sinn in diese Handlung zu bringen, explodieren.

Und dabei ist das erst die Prämisse. Danach dauert der Film noch gut neunzig Minuten, in denen man von einer irrwitzigen Situation in die nächste befördert wird. Dabei ist trotz der verworrenen Grundsituation jede Wendung so absehbar, dass man sich zu keinem Zeitpunkt fragen muss, wie Wanted ausgehen wird. Ist vielleicht auch besser so, denn nach dem Gehirn-Knalltrauma der ersten Minuten wäre man mit Denken wohl überfordert.

Trotz aller Kritik hat mir der Film Spaß gemacht. Das liegt zum Teil an einigen großartigen Actionsequenzen, aber auch an der guten Besetzung. Angelina Jolie ist am besten, wenn sie ein bisschen irre sein darf, Morgan Freeman macht das, was Morgan Freeman eigentlich immer macht, James McAvoy ist sympathisch, Thomas Kretschmann besser als erwartet. Und ein Fan von Terence Stamp bin ich sowieso.

Ein besserer Mensch ist man bestimmt nicht, wenn man den Kinosaal verlässt, ein intelligenterer auch nicht, aber um mit den unsterblichen Worten der Drehbuchautoren von Wanted zu sprechen:

Scheiß drauf.