Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Inbred

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Je weniger man über Inbred schreibt, desto besser, also hier anstelle einer Inhaltsangabe direkt der Trailer:

Was für ein widerliches kleines Arschloch ist dieser Film. Zuerst werden wir mit dreißig Minuten gähnend langweiliger Charakterexposition gefoltert, aber hey, wenigstens gelingt es Regisseur Alex Chandon, dass wir die Figuren tatsächlich mögen. Kaum ist das überwunden, beginnt das Gemetzel - und Inbred vergisst eine der wichtigsten Regeln des Splatterfilms: Blut und Gedärme sind wie die Torten im Gesicht eines Clowns. Der Zuschauer muss den Getroffenen ihr Schicksal gönnen oder zumindest über die Absurdität des Gezeigten lachen können.

Wenn das nicht passiert, wenn wir mit Leuten, denen Beine abgehackt werden oder die so lange mit Gülle druckbetankt werden, bis sie platzen, Mitleid haben, wird aus dem Spaßsplatter Sadismus. Dann lacht niemand mehr.

Genau das passiert in Inbred. Der Film gleitet in einen gemeinen und schmutzigen Sadismus ab, der nichts mehr mit Spaß zu tun hat. Wäre das beabsichtigt, könnte man über die Niederungen der menschlichen Psyche und so weiter diskutieren, aber dazu ist Inbred schlicht und ergreifend zu inkompetent. Wollte man ihn mit einem Menschen vergleichen, dann wäre er der große, kräftige Junge, der dem Nerd die Brille von der Nase reißt, weil er glaubt, dass das cool ist, und sich dann fragt, warum ihn keiner leiden kann.

Der Film wurde in Anwesenheit des deutschen Produzenten gezeigt, was normalerweise zumindest für einen Höflichkeitsapplaus reicht, aber der blieb aus. Stattdessen verließen die Zuschauer fluchtartig den Saal. Ob das angekündigte Q&A danach noch stattfand, weiß ich nicht, denn ich gehörte zu ihnen.

1/5