Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Inception

Das wird eine einfache Kritik.

Inception ist schlicht und einfach geil. Von der brillanten Eröffnungssequenz, in der Regisseur Christopher Nolan dem Zuschauer innerhalb von fünf Minuten erklärt, wie das Stehlen von Informationen aus Träumen funktioniert, bis zum konsequenten, wenn auch vorhersehbaren Ende, zieht einen der Film völlig in seinen Bann. Aber bevor ich mich in wilde Lubhudeleien versteige, erst mal der Trailer für all die, die vor kurzem aus Nordkorea entkommen sind (herzlichen Glückwunsch übrigens) und keine Ahnung haben, worum es hier geht.

Die Effekte wirken schon im Trailer beeindruckend, auf der Leinwand sind sie atemberaubend. Da wird Paris mal eben zusammengefaltet, Naturgesetze werden aufgehoben, ganze Städte entstehen und zerfallen. Diese Traumlandschaften mit all den Möglichkeiten, die sie bieten, würden fast schon reichen, um zweieinhalb Stunden Film ru füllen, aber da Inception nicht Avatar und Nolan nicht Cameron ist, gibt es sogar noch eine Story - sozusagen gratis.

Und die kann sich sehen lassen. DiCaprio spielt einen Traumdieb namens Cobb, der mit seinem Team Informationen aus den Träumen wichtiger Geschäftsleute stiehlt und verkauft. Eines Tages bietet ihm jemand an, all seine Probleme (die massig sind, aber wegen Spoilergefahr nicht erwähnt werden sollen) zu lösen, wenn es Cobb gelingt, einen Konkurrenten durch dessen Träume mit einer Idee zu infizieren, eine sogenannte Inception. Das gilt zwar als unmöglich, aber Cobb stellt sich der Herausforderung und heuert eine junge Architekturstudentin an, die für ihn die Traumlandschaften erschaffen soll.

Wir erfahren dabei, dass Menschen auf verschiedenen Ebenen träumen und dass die Zeit dort unterschiedlich schnell abläuft. Da Träume auch innerhalb anderer Träume konstruiert werden können, entsteht rasch ein ungeheuer kompliziertes Konstrukt, dem man als Zuschauer nur folgen kann, wenn man folgende Dinge unterlässt:

a) aufs Klo gehen b) Getränke holen c) mal kurz eine SMS schreiben d) darüber nachdenken, wie man die Kritik zum Film anfangen will

Der Verzicht lohnt sich jedoch, denn wenn man sich auf Inception einlässt, bekommt man einen Film, der auf so vielen Ebenen funktioniert wie die Träume in ihm. Das kann sogar richtig ZDF-Nachtstudio-philosophisch werden, wenn einem auf einmal klar wird, dass ein Film nichts anderes ist als ein Traum und sein Regisseur wie Cobb versucht, uns mit einer Idee zu infizieren. Und wenn er nicht gerade M. Night Shamaylan heißt, klappt das sogar ab und zu.

Ja, ich weiß, dass der gemein war, aber nach einem handwerklich, technisch, schauspielerisch und (sonstige Begriffe, die irgendwas mit Film zu tun haben) so perfekten Erlebnis, musste ich meinem Frust noch einmal kurz freie Bahn lassen. Seht es so: in der Zeit, die ich mit The Last Airbender verschwendet habe. hätte ich zwei Drittel von Inception noch einmal sehen können. Wäre besser gewesen.