Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Indiana Jones und das Königreich der Kohle

Indy 4 räumt richtig ab. 310 Millionen Dollar in der ersten Woche weltweit. Damit hat er bereits doppelt so viel eingespielt wie er gekostet hat, und niemand zweifelt mehr daran, dass es Indy 5 geben wird.

Die finanzielle Seite stimmt also schon mal, doch im nächsten Teil sollte es auch mit der Qualität stimmen.

Hier ganz kurz (ihr habt ja heute bestimmt noch was anderes zu tun), meine Meinung zu Indy 4, so spoilerfrei wie möglich.

Was war gut:

  • der Auftakt. Von der ersten Sekunde an wirkt der Film lebending und voller Energie. Das bleibt so bis zum “strahlenden” Ende der Wüstenszenen.

  • Harrison Ford. Er ist toll, mehr muss man nicht sagen.

  • die Anspielungen auf frühere Filme. Von der Bundeslade über einige Fotos bis zu Indys Klamotten findet sich alles wieder, ist fast schon ein filmischer Flohmarkt.

  • Marion Ravenwood. Wenn man sie denn mal lässt, trägt sie den Film fast ebenso sehr wie Indy.

  • Atmosphäre, allerdings mit Einschränkungen, mehr dazu unten.

Was war nicht so gut:

  • das Drehbuch, beziehungsweise die Teile, aus denen das fertige Drehbuch zusammengesetzt wurde. Der Film wirkt wie ein unfertiges Puzzle, manche Bereiche stehen isoliert da, so als habe man sie aus früheren Entwürfen übernommen, ohne sie richtig in den Rest zu integrieren (zum Beispiel die Sache mit den Ameisen).

  • die fünfziger Jahre: Abgesehen vom Anfang wird die Zeit nicht lebendig. Die Sowjets wirken nicht halb so bedrohlich wie die Nazis in Indy 1, Cate Blanchett bleibt blass.

  • was bei Lenin wollen die Russen eigentlich? Ist mir bis zum Ende jedenfalls nicht ganz klar geworden.

  • die Affenszene. Ihr werdet wissen, was ich meine.

  • Shia LaBeouf. In einem Interview äußerte er die Angst, zum Jar Jar Bings des Indy-Universums zu werden. Ganz so schlimm ist es nicht geworden, aber so richtig gebraucht hat ihn in dem Film keiner.

  • alles ab der Affenszene. Wenn man schon so tolle Charaktere wie Indy und Marion hat, dann sollte man sie auch nutzen. Das beschränkt sich in dem Film leider auf rund drei Szenen, ansonsten versinken die Figuren im Wettlauf zum Showdown in Action.

  • John Hurt & Jim Broadbent. So verschenkt man erstklassige Schauspieler. John Hurt hatte sicherlich schon schlechtere Rollen, aber irgendwie tat er mir trotzdem leid.

  • das Finale. Musste das denn wirklich sein?

Fazit:

Indy 4 ist bestimmt keine Verschwendung von Lebenszeit, aber bei all dem Talent, das an ihm beteiligt war, hätte er besser werden müssen. Am Anfang jagen Action, Sprachwitz und Gags einander, doch je länger der Film dauert, desto größer wird der Actionanteil und damit auch die Distanz zum Publikum. Um es mit pseudo-psychologischem Worten zu sagen: Indy 4 lässt den Zuschauer emotional zurück. Weniger pseudo-psychologisch könnte man es auch mit “ey, Steven, Schauspieler sind nicht nur Typen, die am Set rumhängen und dir den Kaffee wegtrinken, ok?” ausdrücken.