Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Inside

Es ist wieder einmal Zeit für einen gewagten Selbstversuch. In den nächsten Tagen werde ich versuchen, aus jedem der teilnehmenden Länder einen Film zu sehen und zu besprechen. Das könnte bei Kandidaten wie Italien und Portugal durchaus schmerzhaft werden, aber ich wage jetzt schon die Behauptung, dass nichts, aber auch gar nichts den französischen Beitrag mit dem scheinbar harmlosen Titel À L’intérieur toppen wird.

Nein, in À L’intérieur geht es nicht um einen eskalierenden Streit zwischen zwei Innenarchitekten, sondern um eine junge Frau, die kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes steht. Einige Monate zuvor hat sie ihren Mann bei einem ziemlich krass inszenierten Autounfall verloren und wartet zu Beginn des Films allein in ihrem Haus auf ihren Chef, der sie zur Geburt ins Krankenhaus fahren soll. Zumindest glaubt sie, dass sie allein ist, ist sie aber natürlich nicht, sonst wäre der Film ziemlich öde.

Es ist Abend, und auf einmal klingelt es an der Tür. Davor steht eine kaum erkennbare Frau, die ein Anliegen hat: sie will das Baby - und nein, es stört sie nicht, dass es sich noch im Mutterleib befindet.

An diesem Punkt glaubt man als Zuschauer, dass alles klar ist und man die nächsten neunzig Minuten ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Schwangeren und der Irren beobachten wird.

Das ist nicht ganz richtig.

Um genau zu sein, eskaliert der Film nach knapp einem Drittel derartig, dass man ihn zart besaiteten Gemütern… nein, dass man ihn niemandem, der überhaupt irgendeine Art von Gemüt hat, empfehlen sollte. Wer sich allerdings nicht zu dieser Gruppe zählt, wird an dem nicht enden wollenden und komplett unlogischen Massaker seinen Spaß haben.

Ging mir zumindest so.