Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Bye-bye, Fringe - war schön mit dir

Der folgende Rückblick ist auch auf SFR erschienen.

Achtung, Spoiler!

Die letzte Folge Fringe ist in den USA gelaufen, es ist an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Solltet ihr nicht auf dem aktuellen Stand sein, könnten sich die nächsten Zeilen für euch ungefähr so anfühlen:

Ihr seid gewarnt.

Fringe drohte bereits seit der ersten Folge die Absetzung. Die Quoten waren nie gut, die Produktionskosten dafür hoch. Dass sie fünf Staffeln, wenn auch nur knapp, durchgehalten hat, ist allein den Fans zu verdanken, die loyal zu ihrer Serie standen, die DVDs kauften und bei jedem Absetzungsgerücht so viel Lärm machten, dass Fox immer wieder nachgab.

Fringe war auch nie eine wirklich tolle Serie, dafür erlaubte sie sich zu viele Fehler. In der ersten Staffel bombardierte sie uns mit Verschwörungen, bei denen selbst Chris Carter den Überblick verloren hätte, rettete sich in der zweiten aber mit der Einführung des Paralleluniversums. Die dritte litt unter dem ewig langen Handlungsstrang um Olivia und Fauxlivia, die vierte drehte dank David Robert Jones und der neuen Zeitlinie richtig auf, bevor die fünfte einen Schlussstrich unter den Handlungsstrang im Paralleluniversum zog (na ja, fast). Sie schleuderte uns ins Jahr 2036, in die Beobachter-beherrschte Welt, die in der Folge “Letters of Transit” bereits vorweggenommen worden war.

Diese Entscheidung stieß in Fankreisen auf teils heftige Kritik. Man befürchtete, die Serie würde ihre Geschichte nicht zu Ende verlieren und sich zu sehr auf die Beobachter konzentrieren. Die Kritik war nicht unberechtigt. Es mussten neue Charaktere eingeführt werden, unter anderem Olivias und Peters erwachsene Tochter Etta, sowie die ganze Widerstandsbewegung. Manche Folgen wirkten wie Quests aus einem Rollenspiel. “Geht dahin, holt irgendwas, und kommt zurück.”

Es gab auch Handlungsstränge, die im Nichts endeten, vor allem Peters Verwandlung in einen Beobachter, die mich zu der kühnen Annahme verleitete, Peter würde der Endgegner der Serie. Daraus wurde (zum Glück?) nichts. Der Handlungsstrang lief einfach ins Leere.

Dass die Staffel so wie alle vor ihr auch tolle Folgen hatte und zwar deutlich mehr als schlechte, beweisen allein “Anomaly XB-6783746”, in der Nina Sharp stirbt, und die phänomenale Monty-Python-Sequenz in “Black Blotter”.

Im Zentrum von Fringe, und daran ändern weder Gestaltwandler, Paralleluniversen noch Zeitreisen etwas, steht die Geschichte eines Mannes, der bereit ist, ganze Welten zu riskieren, um seinen Sohn zurückzubekommen. Fünf Staffeln lang hadert Walter Bishop mit den Konsequenzen dieser Entscheidung, in der letzten Folge darf er endlich Wiedergutmachung dafür leisten. Durch seinen Entschluss, Michael in die Zukunft zu begleiten, sichert er den Neustart der Zeit und rettet das Leben seiner Enkelin, dafür verliert er jedoch Peter, sein “very favourite thing”, wie er sagt.

Das ist ein toller Abschluss für eine Serie, die sich ähnlich wie Walter manchmal verrannte, selbst verwirrte und übernahm. Was sie rettete, war der Respekt vor ihren Figuren, vor Walter, Peter, Olivia, Astrid, Nina, William Bell, September, Broyles und natürlich Gene.

Gene, die Kuh

Um ihnen zusehen zu können, akzeptierte man so manche frustrierende oder schlichtweg irre Wendung mit einem Schulterzucken. “Ist halt Fringe.”

Ich habe das bis zum Ende nicht bereut.

Fringe-Hauptfiguren