Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Mayas auf dem Mond

Eine etwas über drei Jahre alte Kernspalterei über damals neue Serien:

Titel: Mayas auf dem Mond

Vorspann: Na ja, nicht wirklich, aber da die Themen, denen wir uns heute widmen wollen, vom Altertum bis ins All reichen, ist der Titel eigentlich nicht gelogen… abgesehen davon, dass es um Römer geht und um die Venus, aber die Ms passten grad so schön.

Haupttext: In diesem Winter sind in den USA und in Großbritannien einige richtig gute Serien gestartet, von denen ein paar sogar früher oder später ihren Weg nach Deutschland finden werden. Werfen wir doch mal einen Blick auf das, was uns so erwartet.

Doctor Who

Worum geht’s? Um einen Außerirdischen, der sich der Doctor nennt, in einem als Telefonzelle getarnten Raumschiff durch Raum und Zeit reist und sich gern in die Angelegenheiten anderer Völker einmischt. Mit Unterbrechungen läuft die Serie im englischsprachigen Raum bereits so lange, dass es mittlerweile Erdschichten gibt, die jünger sind als Doctor-Who-Folgen.

Wer macht mit? In der ersten neuen Staffel (oder der 27., wenn man seit dem Urknall zählt) spielt Christopher Eccleston den Doctor. Der merkte dann aber, dass er eigentlich gar keinen Bock auf die Rolle hatte, deshalb gab er die Schlüssel zur T.A.R.D.I.S. (so heißt die fliegende Telefonzelle) an David Tennant weiter. Ist aber auch nicht schlimm, denn der Doctor kann sich beliebig oft in einem neuen Körper regenerieren. Das spart lästige Erklärungen bei Egotripps der Hauptdarsteller.

Klingt schräg. Taugt die was? Ja, sie ist schräg, ja, sie taugt was. Doctor Who ist so britisch wie Brown Sauce und Mr. Bean. Zu seinen furchterregenden Gegnern zählen die Daleks, schulterhohe Robotwesen, die wie überdimensionale Salzstreuer aussehen, und die Cybermen, ein Volk von… na ja, Cybermen, die von Schauspielern in silbern angemalten Overalls gespielt werden. Wer mir nicht glauben will, dass die Serie trotzdem Spaß macht, kann sich im Sommer auf ProSieben selbst davon überzeugen.

Bleiben wir direkt in England, denn da kommt auch die zweite gute Serie her:

Life on Mars

Worum geht’s? Der Polizist Sam, dessen Freundin von einem Serienmörder entführt wurde, fällt nach einem schweren Autounfall ins Koma. Das allein würde ja schon ausreichen, um einem den Tag zu verhageln, doch dann kommt er auch noch zu sich, leider nicht mehr im Jahr 2006, sondern im Jahr 1973. Dort ist er auch Polizist, aber sein Boss ist ein gewalttätiger Macho mit Italo-Western-Komplex, seine Kollegen tragen Klamotten, deren Farben gegen anerkannte Menschenrechte verstoßen und Mobiltelefone sind so unbekannt wie PCs, Cola Light und Star Wars. Es ist ein Leben auf dem Mars.

Wer macht mit? Hm, eigentlich niemand, den man auf der Straße wiedererkennen würde, aber eine der Verantwortlichen heißt Ashley Pharaoh. Ist das nicht ein cooler Name?

Wieso sollte ich mir das ansehen? Weil “Life on Mars” Spaß macht. Die Serie hat Dramatik, Witz und gute Darsteller. Das ist mehr als man über unseren nächsten Kandidaten sagen kann.

Supernatural

Worum geht’s? Um zwei Dämonen jagende Brüder, die auf der Suche nach ihrem Dämonen jagenden Vater quer durch Amerika fahren und dabei auf… na, ratet mal… genau, Dämonen treffen.

Wer ist dabei? Viele Dämonen.

Macht die Serie Spaß? Sagen wir es so: wenn ich vor der Wahl stände, 45 Minuten auf einem Bein im Schnee zu stehen oder eine Folge Supernatural anzusehen, würde ich mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Supernatural entscheiden. Mehr aber auch nicht. Dafür ist die Serie zu konventionell und absehbar.

Jetzt kommen wir zu etwas, das man als kurios bezeichnen könnte. In Südkorea hat es mit dem Klonen zwar nicht so gut geklappt, aber in Hollywood ist man deutlich weiter, wie die folgenden drei Serien beweisen:

Threshold

Worum geht’s? Im Wasser lebende Aliens wollen die Welt übernehmen, indem sie die DNS der Menschen ihrer eigenen anpassen und uns damit nach uns nach zu Aliens machen.

Wer ist dabei? Viele bekannte Leute, unter anderem spielt Brent Spiner eine der Hauptrollen. In verantwortlicher Position sitzt kein anderer als Mr. Brannon Braga – ob das mal eine gute Idee ist?

Und? Ist es eine gute Idee? Nö. Ein paar von euch werden sich vielleicht daran erinnern, dass ich den Pilotfilm im Sommer richtig gut fand (abgesehen davon, dass die Aliens von der Venus stammen sollten, was ziemlich behämmert ist). Das war’s dann leider aber auch, denn nicht nur die gesamten Ideen der Serie wurden dort verballert, sondern anscheinend auch das Geld des Senders. Die nächsten Folgen spielen dann nämlich in irgendwelchen Räumen, die so schlecht ausgeleuchtet sind, dass man glauben könnte, die hätten meine Küche bei Nacht gefilmt - inklusive der unheimlichen Laute und der fremdartigen Lebensformen.

Threshold wurde übrigens vom Sender CBS nach weniger als einer Staffel abgesetzt. Leider zurecht.

Invasion

Worum geht’s? Im Wasser lebende Aliens wollen die Welt übernehmen, indem sie die DNS der Menschen ihrer eigenen anpassen und uns damit nach uns nach zu Aliens machen. Kommt euch das irgendwie bekannt vor? Abgesehen von der irritierend ähnlichen Grundthematik haben die beiden Serien allerdings nicht viel gemeinsam, denn Threshold konzentriert sich auf Wissenschaftler und Militärs, während bei Invasion eine Kleinstadt im Mittelpunkt steht.

Wer macht mit? Schöpfer der Serie ist Shaun Cassidy, der uns bereits so gute und leider kurzlebige Serien wie American Gothic und Hollyweird brachte und außerdem mitverantwortlich für Cold Case ist.

Ist Invasion besser als Threshold? Deutlich. Während die von Aliens Besessenen in Threshold dumpfe Befehlsempfänger einer außerirdischen Macht sind, bemerken die Menschen in Invasion die Veränderungen, die mit ihnen geschehen und suchen nach Erklärungen. Manche glauben von Gott erwählt worden zu sein, andere befürchten, zur Gefahr für die eigene Familie zu werden. Das ist richtig gut. Die Grundidee macht zwar nicht wirklich Sinn, aber wie sagt einer der Hauptdarsteller, als er den Plan der Aliens einer anderen Person erklärt: “Ich weiß, dass du jetzt verwirrt bist, aber das ist okay. Eine ganze Menge Leute sind verwirrt.” Ja, vor allem die Zuschauer.

Surface

Geht es schon wieder um im Wasser lebende Aliens, die unsere DNA verändern können? Fast. Dieses Mal steht eine neue Spezies im Mittelpunkt, die, nun ja, im Wasser lebt, die Welt übernehmen will und, okay, sie kann anscheinend auch die DNS verändern, allerdings bisher nur bei einem Menschen. Die Wissenschaftler und Militärs sind die Bösen, die Guten sind eine Meeresbiologin, ein Hobbytaucher und ein Teenager, der wahrscheinlich bald zum neuen Peter Parker mutiert.

Wer ist dabei? Ein echt niedliches CGI-Echsenvieh mit Namen Nimrod.

Taugt die auch mehr als Threshold? Ja, vor allem die ersten Folgen sind richtig gut. Man beginnt fast automatisch die Musik von Der weiße Hai” zu summen. Die Flucht der Guten vor den bösen Militärs ist zwar nicht gerade innovativ, aber die sich anbahnende Mutation des Teenagers gefällt mir dafür umso besser.

Masters of Horror

Wenn die jetzt auch im Wasser spielt, krieg ich die Krise. Keine Sorge, Masters of Horror hält sich bisher von Ozeanen und Seen fern. Die in sich abgeschlossenen, einstündigen Folgen wurden von bekannten Genre-Regisseuren inszeniert und decken thematisch alles von irren Serienmördern bis hin zu indianischen Gottheiten ab.

Wer ist dabei? Genregrößen wie John Carpenter, John Landis, Tobe Hooper, Larry Cohen und Joe Dante.

Macht die Serie Spaß? Das muss man von Folge zu Folge neu entscheiden. Die Qualitätsspanne reicht von “boah, so gut kann Fernsehen sein!” bis zu “hm, 45 Minuten auf einem Bein im Schnee stehen klingt auf einmal richtig spannend”. Einen Skandal hat die Serie auch schon, denn die vom japanischen Schockregisseur Takashi Miike inszenierte Episode wurde vom Sender als nicht ausstrahlbar zurückgezogen. Auf der DVD-Edition, die in Deutschland ab April erscheint, wird sie natürlich zu sehen sein.

Ach ja, Römer hatte ich euch ja auch noch versprochen.

Um was geht’s? Um eine im Wasser lebende… kleiner Scherz. Es geht um die Intrigen, Schlachten und Ereignisse im römischen Reich, die schließlich zur Ermordung Cäsars führen.

Krasse Science-Fiction-Handlung. Und wann kommen die Aliens? Es gibt keine, das ist eine historische Serie, die aber so gut ist, dass man sie einfach erwähnen muss.

Wer ist dabei? Michael Apted und John Milius gehören zu den Schöpfern der Serie.

Okay, die taugt also was. Warum? Sie sieht toll aus, ist super inszeniert, hervorragend gespielt und gut geschrieben. Was will man mehr? Allerdings braucht man ein paar Episoden, um Namen wie Lucius, Titus, Gaius, Octavius, Marcus und Quintus auseinander zu halten. Hat man diese Hürde genommen, kommt man in den Genuss einer richtig guten Serie… die übrigens auch nur ganz kurz im Wasser spielt.