Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Monster Camp

“Hallo, mein Name ist Dave, und ich bin eine Zombie-Echse.”

Auf den ersten Blick wirkt dieser Satz vielleicht etwas seltsam, aber wer die amerikanische Doku Monster Camp gesehen hat, weiß, dass Zombie-Echsen auch nur Leute wie du und ich sind.

Nero ist ein Fantasy-Live-Action-Rollenspiel, ein sogenanntes LARP, das allein in den USA von mehrenen Millionen Menschen gespielt wird. Einmal im Monat kommen Gruppen irgendwo im Wald zusammen, malen sich die Gesichter an, werfen sich in Kostüme und legen ihre Schaumstoffwaffen an. Und dann geht es los: gut gegen böse, Echsen gegen Menschen, Riesenmotten mit hypnotischem Blick (fragt nicht) gegen Ritter. Monster Camp folgt einer Gruppe von LARPern, die an regelmäßigen Nero-Treffen in Seattle teilnehmen, ein Jahr lang. Der Film beobachtet sie im realen Leben und zeigt ihre Transformation vom Computer-Programmierer, Verkäufer, oder Schüler zum Fantasy-Kämpfer. Dabei strahlt er einen solchen Charme aus, dass selbst die, die bisher LARP und SARS nicht voneinander unterscheiden konnten, es schwer finden werden, sich dem Spaßfaktor des Ganzen zu entziehen.

Gruselige Momente gibt es allerdings auch, zum Beispiel, wenn ein Spieler erklärt, er würde den ganzen Tag nur an das Spiel denken und habe den Eindruck, es sei realer als sein wirkliches Leben.

Okay…

Aber das sind Ausnahmen, auch das macht Monster Camp deutlich. In erster Linie geht es darum, ein paar Tage lang aus dem normalen Leben in eine Fantasy-Welt zu fliehen. Und wenn man sieht, wie viel Spaß die LARPer dabei haben und wie sehr sie in ihren Charakteren aufgehen (ja, sogar die Montermotte), bekommt man schon Bock, LARP selbst einmal auszuprobieren. Ein größeres Kompliment kann man Monster Camp wohl kaum machen.