Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Moon

Ein Beitrag, den ich auf dem Fantasy Filmfest leider nicht sehen konnte, war Moon, ein SF-Film, der auf dem… ihr habt’s wahrscheinlich schon erraten… Mond spielt. Es geht um einen Astronauten, der nach drei Jahren, die er allein auf einer Station verbracht hat, endlich nach Hause zurückkehren soll. Doch keine zwei Wochen vor dem Eintreffen seiner Ablösung begegnet er plötzlich einem anderen Menschen. Na ja, eigentlich nicht, denn der andere Mensch ist er selbst. Klingt interessant? Ist es auch.

Um ehrlich zu sein, hatte ich nach dem Trailer eine völlig andere Handlung erwartet, nämlich ein neunzigminütiges Kammerspiel, das sich um die Frage dreht, ob Astronaut Sam Bell einen an der Klatsche hat oder nicht.Moon klärt diese Frage allerdings recht schnell und widmet sich dann den Konsequenzen, die aus der Lösung des Rätsels entstehen. Das klingt jetzt zwar ein wenig schwammig, aber ich will nicht zuviel verraten.

Dabei spielt die Handlung eigentlich keine allzu große Rolle; es geht um die Figuren, um die Sam Bells (in beiden Versionen brillant dargestellt von Sam Rockwell), den Computer Gerti (der durch Kevin Spaceys weiche Stimme ungeheuer sympathisch, gleichzeitig aber auch unheimlich wirkt) und Sams Ehefrau, mit der er nach dem Ausfall eines Kommunikationssatelliten nur noch über Videobotschaften kommunizieren kann. Was diesen Figuren geschieht und was wir über sie erfahren, trägt den Film locker über seine neunzig Minuten Laufzeit. Wenn man es genau nimmt, müsste man noch eine Figur hinzufügen, nämlich den von Clint Mansell komponierten Soundtrack, der so dicht und plastisch wirkt, dass er fast schon zu einem Protagonisten wird, zu einem Nebendarsteller, der genau weiß, wann er den anderen das Feld überlassen muss.

Ich würde euch gern erklären, was mir an Moon so gut gefallen hat, aber damit würde ich denjenigen, die den Film sehen wollen, keinen Gefallen erweisen. Nur soviel: Die Atmosphäre des Films hat mich an den Klassiker Silent Running erinnert. Wer den kennt und weiß, dass er mit einer so ruhigen Erzählweise, minus der aus heutiger Sicht peinlichen Ökobotschaft, klar kommt, wird Moon bestimmt genießen. Ich fand ihn jedenfalls toll.