Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Oblivion - Geld, Talent und Mittelmaß

Die Erde in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts ist kein lustiger Ort. Vor einigen Jahren wurde sie von Aliens, den sogenannten Scavs überfallen, die zum Auftakt den Mond zerstörten und damit gewaltige Katastrophen auf der Erde auslösten. Die Menschheit konnte den Krieg gegen die Scavs zwar gewinnen, aber die Erde ist so verseucht, dass nur noch eine Flucht ins All blieb. Die Scavs, die auf der Erde zurückgeblieben sind, werden von Drohnen gejagt. Die müssen Techniker, denen man aus Sicherheitsgründen die Erinnerungen genommen hat, warten und reparieren. Einer dieser Techniker ist Jack Harper (Tom Cruise), der sich mit seiner Partnerin Victoria (Andrea Riseborough) auf einer erstaunlich luxuriösen, über dem Planeten schwebenden Plattform eingerichtet hat. Als er bei der Suche nach einer verschwundenen Drohne auf andere Menschen stößt, beginnt er, seine Mission zu hinterfragen und entdeckt etwas, das ich trotz der Spoilerwarnung nicht verraten will.

Tom Cruise auf einem Berggipfel

Oblivion wirkt wie eine Hommage an die klassischen SF-Filme der Siebziger: ein bisschen Planet der Affen, ein Hauch von Silent Running, ein wenig Omega-Mann und er fängt deren Stimmung teilweise sehr schön ein. Die Szenen, in denen Jack wie ein menschlicher Wall-E die comichaft böse aussehenden Drohnen wartet und die Überreste unserer Zivilisation erkundet, haben eine ganz eigene Melancholie, die Landschaftsaufnahmen von Kameramann Claudio Miranda (Life of Pi) sind vor allem auf einer richtig großen Leinwand spektakulär. Doch nach vierzig Minuten fragt man sich dann langsam, wann der Film denn nun vom zweiten in den dritten Gang schaltet. Die Antwort lautet leider: gar nicht.

Trotz einiger ordentlicher Actionsequenzen (besonders bei einer merkt man, dass Regisseur Joseph Kosinski auch Tron: Legacy gedreht hat), trödelt Oblivion so vor sich hin. Das wäre okay, wenn er dafür andere Stärken hätte, wenn er seine Charaktere und ihre Welt mit Leben füllen würde, aber das tut er nicht. Nur Jack, Victoria und in geringerem Maße Julia, eine Überlebende, die Jack findet und die von Olga Kurylenko gespielt wird, sind halbwegs ausgearbeitet. Die Menschen, für die Jack alles riskiert, bestehen aus dem üblichen wütenden Rebellen (Nicolaj Koster-Waldau) und ein paar Typen, die aussehen, als kämen sie gerade vom Konzert einer Nirvana-Coverband. Kosinski dachte wohl, es würde reichen, ihren Anführer mit Morgan Freeman zu besetzen. Wir werden ja wohl nicht wollen, dass Morgan Freeman stirbt, oder?

Jack vor comichaft böser Drohne

Diese Faulheit zieht sich durch den Rest des Drehbuchs, das zwar einige überraschende Wendungen, aber keine eigenen Ideen bietet. Im letzten Drittel lässt Oblivion dann auch seine 70er-Wurzeln (und damit leider eine sinnvolle Geschichte) hinter sich und begibt sich auf Independence-Day-Territorium. Das gipfelt in einem so unglaublich schlecht platzierten Rückblick, dass man glaubt, der Film habe nur getrödelt, weil er wusste, was ihn am Ende erwartet.

Fazit: Oblivion ist einer dieser Filme, die es einem schwer machen. Verreißen kann man ihn nicht, dafür ist er zu gut, empfehlen aber auch nicht, dafür ist er zu schlecht. Drehbuch und Regie vergeigen einiges, die Schauwerte (Jacks Schiff ist den Eintrittspreis fast schon wert) und die gute Besetzung reißen einen Teil davon heraus. Übrig bleiben zwei Stunden Mittelmaß, nicht sonderlich spannend, nicht sonderlich öde, nur so unoriginell wie das Fünf-Euro-Tagesmenü beim China-Imbiss um die Ecke. 

3/5