Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Orphan

Der Abschluss des Festivals, für mich jedenfalls, war Orphan, ein Film über eine Familie, die ein russisches Mädchen namens Esther adoptieren. Als Beitrag zur Völkerverständigung kann man Orphan nicht bezeichnen, denn das Mädchen erweist sich nach kurzer Zeit als manipulativ, verlogen, irre und natürlich, sonst würde das Ganze ja keinen Spaß machen, mordgeil. Mehr dazu nach dem Trailer.

Zur Handlung ist eigentlich schon alles gesagt. Zwei Stunden sehen wir zu, wie Esther ihre Adoptiveltern gegeneinander ausspielt und ihre neuen Geschwister tyrannisiert. Das könnte lustig sein, ist es streckenweise auch, aber der Film krankt am Star Trek: Voyager-Syndrom: er wäre nach zwanzig Minuten zu Ende, wenn sich nicht alle Beteiligten außer Esther wie Volldeppen benehmen würden. Dadurch sinkt der Spaßfaktor deutlich.

Hinzu kommt, dass Orphan ungefähr eine Stunde braucht, um in die Gänge zu kommen, dabei aber nicht viel erzählt. Alle, die jemals Das Omen gesehen haben, wissen eh bei Esthers erstem Auftreten, dass sie entweder die Tochter Satans ist oder echt einen an der Klatsche hat. Das muss man nicht sechzig Minuten lang aufbauen. Andererseits ist die Enthüllung ihres Geheimnisses kurz vor Schluss schon ein Knaller, den ich zumindest nicht habe kommen sehen.

Die Besetzung von Orphan, allen voran Isabelle Fuhrman als Esther, ist durchweg gut, die Atmosphäre ist stimmig und der Blutgehalt passt auch. Eine halbe Stunde kürzer und mit logischerem Drehbuch wäre Orphan richtig gut geworden. So reicht es leider nur zu einem Film, den man sich mal ausleihen kann, wenn er für einen Euro in der Videothek steht.