Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Paranormal Activity

Ganz ehrlich: auf diesen Film habe ich mich diesen Herbst am meisten gefreut. Subjektive Wackelkamera, ein Trailer, der an The Ring und Blair Witch Project erinnerte und euphorische Kritiken von ersten Festivalaufführungen. Doch Paranormal Activity hat mich trotzdem enttäuscht, wenn auch nur ein bisschen.

Die Handlung lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Ein Paar will unerklärlichen Phänomemen, die sich nachts in ihrem Haus abspielen, nachgehen und stellt eine Videokamera im Schlafzimmer auf. Wie jemand nach dem Ansehen der ersten Aufzeichnungen überhaupt noch schlafen kann, sei dahingestellt. Ich persönlich würde wahrscheinlich die ganze Nacht mit den Fingern in den Ohren im Wohnzimmer sitzen und “Lalala” singen, aber okay, die beiden sind offensichtlich tougher als ich.

Anfangs passiert eigentlich nicht viel. Es poltert mal im Erdgeschoss, man hört Schritte auf der Treppe und sieht, wie sich die Schlafzimmertür bewegt. Das ist alles. Nach und nach steigert sich das jedoch, bis jede Nacht zu einem echten Horrortrip für die Bewohner wird. Dabei wechselt der Film sehr clever zwischen Infrarot-Nachtaufnahmen, in denen das Grauen in das Haus eindringt und den normalfarbigen (das ist kein Wort, oder?) Tagaufnahmen, in denen man sich als Zuschauer entspannen kann. Das Ganze hat ein bisschen was von einer Geisterbahnfahrt, bei der man unvermeidlich dem nächsten Tunnel entgegenfährt, ist aber gerade deshalb echt spannend. Unheimlich ist Paranormal Activity aber leider nicht.

Das liegt an zwei Dingen. Zum einen wird relativ schnell klar, von was die Protagonisten bedroht werden. In einer der schwächsten Szenen des Films taucht nämlich ein Parapsychologe auf, der uns genau erklärt, was Sache ist und weshalb er nichts daran ändern kann. Die Szene ist leider notwendig, weil man sonst nicht verstehen würde, weshalb die beiden nicht einfach abhauen, aber sie raubt Paranormal Activity einen Teil der Atmosphäre. Eine Bedrohung, die man benennen kann, ist nun mal weitaus weniger unheimlich als eine, die fremd und namenlos bleibt.

Zum anderen fehlen dem Film die verstörenden Bilder von Meisterwerken wie dem japanischen Ring, die einem die Realität unter den Füßen wegziehen und dafür sorgen, dass man noch Wochen später beim Friseur zu zucken beginnt, weil neben einem eine Frau mit ins Gesicht gekämmten Haaren sitzt. Dieses Niveau erreicht Paranormal Activity nicht. Gut geworden ist er trotzdem, nur eben nicht brillant.

Noch ein Wort zum Ende (ohne Spoiler): wer den Eindruck hat, das wirke aufgesetzt und passe nicht zum Rest des Films, hat Recht. Dreamworks hat Paranormal Activity vor dem Kinostart umschneiden und das Ende neu drehen lassen. Mit ein wenig Google-fu kann man im Netz das Originalende finden.