Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Partyzone Endzeit

Doomsday hat eigentlich alles, was ein Film braucht, um Menschen wie mir Spaß zu machen:

  • ekliger Virus

  • Straßenschlachten

  • Kannibalen

  • Ritter

  • korrupte Politiker

  • großzügiger Gewalteinsatz

  • Malcolm McDowell

Nur eine Kleinigkeit fehlt Doomsday: eine einzige eigenständige Idee.

Dabei fängt der Film sehr originell an. Ein tödlicher Virus bricht in Glasgow aus (ok, der Teil ist noch nicht ganz so originell) und breitet sich rasend schnell in Schottland aus. Die Regierung reagiert erwartungsgemäß asozial und zieht eine riesige Mauer hoch, die Schottland vom Rest des Landes und wie man hofft, die Infizierten von den Gesunden trennt. Das scheint auch zu funktionieren, zumindest rund zwanzig Jahre lang, dann taucht der Virus plötzlich in London auf - und die einzige Hoffnung auf Heilung liegt bei den Überlebenden auf der anderen Seite der Mauer.

Natürlich könnte man theoretisch einfach die Tore öffnen und “Jungs, tut uns echt leid mit der Mauer, ist ein bisschen blöd gelaufen” sagen, aber politische Erwägungen und das Drehbuch sprechen dagegen. Also schickt man eine Spezialeinheit, angeführt von Major Eden Sinclair (Rhona Mitra) nach Glasgow. Wie aus dem Nichts tauchen dort irre Kannibalen-Punks auf, die in Mad-Max-Autos gröhlend und Bier saufend durch die halb zerstörte Stadt ziehen und alles niedermachen, was ihnen vor die Klingen läuft. Der Höhepunkt des Ganzen ist eine Grillparty mit Menschenfleisch als Hauptgang, wozu passenderweise ein Stück von den Fine Young Cannibals läuft.

Das ist schon lustig. 

Regisseur Neil Marshall (Descent) gelingt es zwar, diese Mischung aus Trash und Endzeitthriller bis zum Ende durchzuhalten, doch den Genre-Klassikern, bei denen er sich bedient, hat er nichts hinzuzufügen. Alles, was Doomsday zeigt, hat man in Mad Max und Die Klapperschlange schon mal gesehen, schlimmer noch, besser gesehen. Das fällt vor allem bei den Figuren auf. Eden Sinclair wirkt ein bisschen wie die Sesamstraßen-Version eines Max Rockatansky oder Snake Plissken, die Mitglieder ihres Teams sind so austauschbar, dass ich mir keinen einzigen Namen merken konnte. Trotzdem macht Doomsday auf eine Habe-gerade-mein Hirn-an-irre-Kannibalen-Punks-verloren-Weise Spaß.

Für Star-Trek-Fans gibt es außer dem Spaßfaktor noch einen weiteren Grund, sich Doomsday anzusehen, nämlich Alexander Siddig (Dr. Bashir aus Deep Space Nine), der in einer kleinen Rolle den englischen Premierminister spielen darf. Und nein, das hat bestimmt gar nichts damit zu tun, dass Malcolm McDowell sein Onkel ist.