Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Prometheus

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Prometheus ist kein perfekter Film. Er fängt langsam, beinahe gemächlich an und zeichnet seine Charaktere trotzdem nur mit groben Strichen. Das Drehbuch ringt mit den existentiellen Fragen unserer menschlichen Existenz, ist aber nie philosophisch genug, um wirklich bedeutsam zu wirken. Es versucht, 2001 und Alien miteinander zu kreuzen, was von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, denn so geniale Autoren sind Damon Lindelof und Jon Spaihts nicht. Zu ihrem Glück ist Ridley Scott, wenn er will, ein genialer Regisseur, und so ist aus Prometheus zwar kein perfekter Film geworden, aber ein extrem guter.

In seiner Erzählstruktur erinnert Prometheus stark an Alien: Ein langsamer Handlungsaufbau, der immer stärker von Horrorelementen durchsetzt wird und schließlich zum Alptraum wird. Das ist wie eine Schlinge, die sich nach und nach zuzieht. Man ahnt, was passieren wird, aber man kommt nicht mehr heraus.

Dieser klaustrophobisch düsteren Atmosphäre setzt Scott das sterile, helle Innere der Prometheus gegenüber. Das Schiff sieht aus, als habe es ein seelenloser Apple-Designroboter entworfen. Die Menschen darauf wirken wie Fremdkörper, wie Relikte einer organischen Welt, die in der neuen, digitalen Perfektion nicht mehr erwünscht sind.

Kein Wunder also, dass die Figur, die am besten charakterisiert wird, die des Androiden David ist. Michael Fassbender spielt ihn spektakulär gut, anders kann man das nicht sagen. Dass er stark an den jungen Peter O’Toole erinnert, ist kein Zufall, das wird im Verlauf des Films klar.

Die restliche Besetzung kann sich ebenfalls sehen lassen, vor allem Noomi Rapace, Charlize Theron und Logan Marshall-Green. Idris Elba, der übrigens ein wirklich seltsames IMDB-Foto hat, wirkt leider extrem unterbeschäftigt und ist gleichzeitig Mittelpunkt der schlechtesten Szene des gesamten Films.

Diese Szene ist zum Glück jedoch der Auftakt eines Effektspektakels, das sehr schön die technische Perfektion von Prometheus unterstreicht. Der Film ist brillant inszeniert, die Effekte sehen nie nach “Guckt mal, was wir Geiles können” aus, das 3D ist so klar und scharf, dass es wie 2D wirkt.

Das bringt mich zu einem letzten Kritikpunkt. Warum ist der Film in 3D? Es scheint für mich keinen kreativen Grund für diese Entscheidung zu geben, nur einen finanziellen. Prometheus wird durch 3D weder besser noch schlechter, kein Aspekt des Films profitiert von dieser Technik. In Spaßfilmen wie… Moment, ich schraube mal gerade das Niveau runter… Piranha 3DD ergibt 3D Sinn. Da springt mal was in die Kamera, alle erschrecken sich, lachen und weiter geht’s mit der Handlung. In Prometheus würde das nur ablenken, deshalb verzichtet Scott auf solche Spielereien. Sein Film ist ernst, gewalttätig und düster, nicht nur in seinem Aussehen, sondern auch in seiner Botschaft.

Über die würde ich am liebsten schreiben, denn da hebt der Film richtig ab. Dann klänge diese Kritik auch weit weniger verhalten, aber das würde jede Menge Spoiler bedeuten. Und Stress. Und ein möglicherweise unerwartet frühes Ableben.

Also belassen wir es bei einer Wertung. 4 von 5 Sternen ist mir zu wenig, 5 von 5 zuviel, 4,5 sieht aus, als würde ich mich nicht trauen, ihm die volle 5 zu geben. Der Film macht es einem wirklich bis zum Schluss nicht leicht. Scheiß drauf: Er ist toll und ich wünschte, wir könnten darüber reden.