Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Quantum of Solace

Drei Dinge heben den neuen Bond von seinen Vorgängern ab:

1) der Titel Quantum of Solace, nach dessen Bekanntmachung selbst gestandene Bond-Fans wie ich erst einmal “Hä?” sagten.

2) die Gesamtlänge von nur hundert Minuten, also ungefähr die Länge eines normalen Bond-Vorspanns.

3) Bonds beeindruckend schlechte Laune, die an eine Mischung aus König Leonidas in 300 und Darth Vader beim Anblick des brennenden Todessterns erinnert.

Punkt 3 lässt sich leicht erklären, schließlich beginnt der Film nur wenige Stunden nach den Ereignissen in Casino Royale, Punkt 1 erschließt sich im Verlauf des Films, nur die 2 stimmt mich ein wenig ratlos.

Bevor jetzt Missverständnisse aufkommen und jemand (mal wieder) abgebissene Rattenköpfe auf meine Scheibenwischer spießt, mir hat Quantum of Solace wirklich Spaß gemacht. Er ist ein sehr guter Action-Film und ein guter Bond. Doch er hätte soviel mehr sein können, wenn man sich an die Lehren aus Casino Royale gehalten und die Charakterentwicklung nicht in einigen subtilen Gesten versteckt hätte, so als schäme man sich dafür. So wirkt Bond über weite Strecken des Films wie eine unaufhaltsame Mordmaschine, eine Art Terminator-Bond, vor dem selbst M zurückschreckt. Das ist natürlich beabsichtigt und funktioniert auch, nur kommt der Gegenpol, der uns als Zuschauern das Gefühl vermittelt, wir würden Bond im Gegensatz zum Rest der Welt verstehen, zu kurz. Wir erfahren nur, dass er nicht schlafen kann und sehen, dass er jedes Mal zu trinken beginnt, wenn über Vesper gesprochen wird, aber diese Momente verpasst man, wenn man gerade mal blinzelt oder hektisch das Handy sucht, das man vergessen hat abzuschalten.

Noch schlechter als Bond kommt aber sein Gegenspieler weg, ein Multimillionär und Leiter einer angeblichen Umweltorganisation. Er bleibt so blass, dass ich mir bis zum Ende des Films seinen Namen nicht merken konnte. Wahrscheinlich hätte es geholfen, wenn er wie Le Chiffre ab und zu mal aus den Augen geblutet oder wie Blofeld seine Katze gestreichelt hätte, während gerade Leute an Piranhas verfüttert werden. Was macht er stattdessen? Hm, eigentlich nicht viel außer Herumstehen und labern. Er hat nur zwei wirklich coole Momente, in denen man ahnt, wie groß die Bedrohung ist, die von ihm ausgeht, aber auch das ist nicht genug.

Mit Camille (Olga Kurylenko), dem Bond-Girl, geht der Film wesentlich besser um. Sie ist mindestens so schlecht gelaunt wie Bond und fungiert immer wieder als sein Spiegelbild, indem sie die Gefühle zeigt, die Bond nicht zeigen darf. Davon hätte ich gern mehr gesehen.

Und das bringt uns zurück zur Frage nach der Länge des Films. Ein paar Drehbuchseiten mehr hätten gereicht, um all diese Kritikpunkte zu umgehen und einen tollen Bond abzuliefern. Dass Autor Paul Haggis dazu in der Lage ist, hat er ja mit Casino Royale bewiesen. Warum er hier die Action überbetont und seine Charaktere in die Wüste schickt, ist mir ein Rätsel. Quantum of Solace ist trotzdem ein guter Bond mit einigen spektakulären Actionszenen und leider auch ein bis zwei Yeti-Momenten geworden, aber von einem geilen Bond trennen ihn zwanzig Minuten. Und das ist wirklich schade.