Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

REC

Filmkritiker verdienen ihr Geld damit, dass sie das, was ein Zuschauer beim Ansehen eines Films empfindet, auf eloquente und intelligente Weise zu Papier bringen. Zu dem spanischen Beitrag [REC] würden ihnen wahrscheinlich Dinge wie “eine verstörend klaustrophische Perle des jungen spanischen Kinos” oder “mit subtiler Gesellschaftskritik gewürztes Gewaltdrama auf hohem Niveau” einfallen. Bei mir hingegen reicht es knapp eine Stunde nach Ende des Films leider nur zu einem: “Hehe hehe, Zombies!”

Bevor wir zu der Frage kommen, weshalb Zombies in diesem Fall etwas sehr Positives sind, ein paar Worte zum Inhalt. Es geht um eine Moderatorin namens Angela und einen Kameramann namens Pablo (kann man sich gut merken, weil Angela seinen Namen ungefähr 5000x im Verlauf des Films nennt), die für eine TV-Dokuserie die Nachtschicht einer Feuerwache begleiten sollen. Was sie nicht ahnen ist, dass der scheinbar harmlose Notruf, dem sie in ein Mietshaus folgen, in einer deutlich dezimierten Protagonisten-Anzahl und einigen sehr satten Zombies enden wird.

Natürlich ahnen sie auch nicht, wie viel Spaß es dem Zuschauer machen wird, sie dabei zu beobachten. Okay, Spaß ist für rund sechzig Minuten Todesangst und schieren Terror vielleicht ein gewagtes Wort, aber [REC] schafft es dank klaustrophobischer Wackelkamera und 28-Days-Later-Anleihen, dass man den Film mit jeder Schrecksekunde. Das klappt zumindest bis kurz vor Ende, als Co-Regisseur und Autor Jaume Balaguero aus welchen Gründen auch immer einen Expositionsanfall bekommt und versucht, alles zu erklären, doch selbst das versetzt [REC] keinen Kopfschuss.

[REC] ist all das, was ein Zombiefilm sein sollte: spannend, schonungslos, klaustrophobisch und voller interessanter kulinarischer Experimente. Kurz gesagt ist [REC] der Zombiefilm, der Diary of the Dead hätte werden können, aber leider nicht geworden ist.

Davon überzeugen könnt ihr euch entweder auf DVD oder ihr wartet bis zum Herbst, wenn vom gleichen Autor das US-Remake, das den Titel Quarantine trägt, in die Kinos kommt. Eine Fortsetzung von [REC] ist für 2009 geplant.