Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Repo - The Genetic Opera

Manchmal gibt es Filme, die machen einen sprachlos. Ich meine nicht etwa die Sprachlosigkeit, bei der man bis zum Ende des Abspanns sitzen bleibt, um das Gesehene zu verdauen (okay, verdauen passt bei Repo schon ganz gut, aber dazu später) und auch nicht die, die durch die Erkenntnis, gerade etwas unvorstellbar schlechtes gesehen zu haben, ausgelöst wird, sondern die Sprachlosigkeit, die durch einen Loop im Gehirn entsteht, bei dem man sich immer wieder die gleiche Frage stellt: Was zur Hölle war denn das?

Zur Einstimmung gibt’s erst mal den Trailer:

Paul Sorvino, Anthony Stewart Head, Sarah Brightman, Bill Moseley und Paris Hilton spielen also in einer SF-Rockoper um Organentnahmen mit, bei der Darren Bousman, Regisseur von Saw II, III, IV Regie geführt hat und damit zumindest seiner Vorliebe für abgetrennte Gliedmaßen und Organen, die auch mal das Licht der Außenwelt sehen dürfen, treu geblieben ist. Das lassen wir jetzt einen Moment sacken.

So, weiter geht’s. Kommen wir zur Handlung. In einer nicht ganz so weit entfernten Zukunft leben die meisten Menschen mit geborgten Organen. Wenn sie bei den Zahlungen in Verzug geraten, kommt der Repo Man und holt sich das Zeug im Namen des allmächtigen Geneco-Konzerns zurück - und zwar auf die harte, “guck mal, so sieht deine Leber bei Sonnenlicht aus”-Tour zurück. Klingt nach einem spaßigen Job, ist es aber nicht, denn hinter der Fassade des Repo Man verbirgt sich ein Arzt und Vater (Anthony Head), der - anscheinend - versucht, seine todkranke Tochter zu retten und gleichzeitig vom Geneco-Chef Paul Sorvino erpresst wird. Der hat aber eigene Probleme, denn er ist ebenfalls todkrank, und seine gestörten, degenerierten Kinder sind alles andere als geeignet, den Konzern zu übernehmen. Also sucht er heimlich nach einem passenden Kandidaten, während seine Brut alles tut, um sich gegenseitig auszustechen.

Wenn ihr jetzt glaubt, dass diese Handlung auf eine durchschnittliche Milz passt, liegt ihr genau richtig, aber es kommt noch besser, denn alles in diesem Film, wirklich alles, wird gesungen. Und gar nicht mal schlecht. Na ja, abgesehen von Paris Hilton, die nicht singen kann und deshalb auch nur sehr kurze und einfache Nummern bekommt. Aber alle anderen sind echt gut, was den Film zumindest über die erste Stunde locker trägt. Dann geht Repo zwar etwas die Luft aus - wahrscheinlich wurde ein Lungenflügel wegen überfälliger Zahlungen entfernt - aber er bleibt so bizarr, dass man bis zum Ende eigentlich nicht weiß, ob man ihn gut oder schlecht findet. Mal ehrlich: wer könnte einen Film verreißen, in dem Paris Hilton nach einer misslungenen Schönheits-OP das neue Gesicht vom Schädel rutscht, das sie vorher mühsam festgetackert hatte und in dem Anthony Head während einer Gesangsnummer seinen Arm in den aufgerissenen Brustkorb eines Opfers steckt und ihn wie eine Marionette spielt? Ich jedenfalls nicht.

Empfehlen kann ich Repo zwar nicht jedem und wirklich gut ist er auch nicht, aber ich verspreche euch, dass ihr so etwas nicht oft im Leben zu sehen bekommen werdet. Ist doch auch schon was, oder?