Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Revolution

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Ich werde versuchen, nicht mehr zu verraten, als im Trailer gezeigt wird, wenn ihr den also schon kennt oder ihn euch noch ansehen möchtet, sollte die Kritik kein Spoiler-Minenfeld sein.

Hier ist er:

Na, wer hat beim Trailer schon auf die Uhr geguckt? Kam ein leichtes Gefühl der Langeweile auf? Wenn nein, lest ihr vielleicht besser nicht weiter, denn dann könnte euch Revolution tatsächlich gefallen (auch wenn ich das befremdlich fände). Wenn ja, dann könnt ihr euch schon mal auf einen Pilotfilm einstellen, der kein bisschen interessanter ist.

Für diejenigen, die zu faul sind, auf den Trailer zu klicken: Revolution beginnt mit einem Knall. Auf einmal gibt es keine Elektrizität mehr in der Welt, (fast) niemand weiß, warum. Das Chaos, das daraus entsteht, zeigt man uns leider nicht, stattdessen springt die Pilotfolge 15 Jahre in die Zukunft und wir landen in einer Mischung aus Unsere kleine Farm und Fascho-Staat. Der Vater der 17-jährigen Charlie wird von Milizen umgebracht, ihr Bruder verschleppt, und sie muss sich mit der Ersatzmutter, die sie nicht leiden kann, und einem Nerd auf die Suche nach dem mysteriösen Onkel Miles machen.

Wenn es das Wort “Lustlosigkeit” noch nicht gäbe, nach diesem Pilotfilm würde es jemand erfinden. Regisseur Jon Favreau (der es besser können müsste) erzählt die Geschichte ohne jede Finesse, es gibt in der ganzen Folge exakt drei Einstellungen, bei denen man kurz aus der Lethargie hochschreckt. Alles andere spult er nur ab.

Aber um ehrlich zu sein, macht ihm Eric Kripkes Drehbuch das Leben auch nicht leicht. Als Zuschauer erahnt man jede Wendung Minuten, bevor sie eintritt, wer auf eine Überraschung hofft, sollte sich zwischendurch vielleicht mal in den Arm kneifen und “Buh!” rufen. Seine Dialoge sind fast so hölzern wie die Darsteller, allen voran Tracy Spiridakos (Charlie), die entweder untalentiert ist oder keinen Plan hat, wie śie die Sätze, zu denen das Drehbuch sie zwingt, sagen soll, ohne mit dem Kopf auf den Tisch zu schlagen.

Beides ist gleich wahrscheinlich, deshalb möchte ich kein Urteil fällen.

Das größte Manko der Serie ist jedoch ihre Prämisse und die Welt, die daraus entsteht. Fragen, die man als Zuschauer schon nach wenigen Minuten stellt, wie “Was ist mit den Atomkraftwerken?”, “Gibt es jetzt keine Gewitter mehr?” oder “Kriege ich keine mehr gewischt, wenn ich über den Billigteppich in Kaufhäusern gehe?”, werden nicht angesprochen. Stattdessen präsentiert man uns eine phantasielos hingerotzte Welt, die man bis ins Detail nur allzu gut kennt.

Erinnert ihr euch noch an Jericho? Dann habt ihr Revolution schon gesehen - nur besser.

Besetzung von Revolution