Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

RIP Iain Banks

Vor zwei Monaten ging Iain Banks mit der Nachricht, er sei unheilbar an Krebs erkrankt, an die Öffentlichkeit, nun ist einer der größten SF-Autoren der Gegenwart gestorben.

Dem muss man eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Wer Banks nie gelesen hat, scrollt den Artikel wahrscheinlich nur durch, wer seine Romane kennt, weiß auch ohne mich, dass wir nicht nur einen phantastischen Schriftsteller, sondern viele, nun für immer unerzählt bleibende Geschichten verloren haben. Das ist so traurig, dass ich den Rest des Abends damit verbringen würde, nach meiner Ausgabe von Inversions zu suchen, wenn da nicht die Berichterstattung in der Presse wäre. Mal sehen, ob euch auffällt, was diese drei Zitate gemeinsam haben:

Metro: “The author also wrote science fiction under the name of Iain M. Banks.”

BBC: “The writer also penned sci-fi titles under the name Iain M Banks.”

Independent: “Banks has written two dozen novels, including science fiction under the name Iain M Banks.”

Kommt es mir nur so vor, oder ist es der britischen Presse peinlich, dass Banks nicht nur “hohe Literatur” geschrieben hat, sondern sich auch gerne in der intellektuellen Gosse bei uns SF-Fans herumtrieb? Wenn ja, warum? Es schmälert sein literarisches Können doch nicht, dass er die Die Wespenfabrik und Bedenke Phlebas geschrieben hat. Beides sind große Romane, die den Anspruch, den sie an sich selbst stellen, voll erfüllen. Der eine ist nicht besser als der andere, nur weil er in Schottland und nicht im All spielt. Banks konnte beides miteinander verbinden, die meisten seiner Leser ebenfalls, wieso also nicht die Literaturkritiker?

Okay, weil es Literaturkritiker sind, schon verstanden, aber es ist hart, dass fünfzig Prozent oder mehr seines Schaffens einfach abgetan werden, als wären sie bedeutungslos. Sie sind es nicht. Und das hat er auch nicht verdient.

Einzig John Mullan von The Guardian gelingt es, in seinem Nachruf dem SF-Aspekt von Banks’ Karriere mehr als drei Sätze zu widmen, auch wenn er dabei zwischen Literatur und Science Fiction unterscheidet.

Das schreit nach einem Selbstversuch. Vielleicht sollte ich gleich abwechselnd jeweils eine Seite aus Die Wespenfabrik und Bedenke Phlebas lesen. Dann sollte es mir doch gelingen, endlich den Unterschied zwischen Literatur und SF zu erkennen.

Auf der anderen Seite …

“Empathize with stupidity and you’re halfway to thinking like an idiot” - Iain Banks