Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Rovdyr

Nein, ich habe bei der Titelwahl nicht einfach mal mit der flachen Hand auf die Tastatur geschlagen. Rovdyr ist tatsächlich ein Wort. Genau gesagt ist es norwegisch und heißt “Raubtier”. Noch genauer gesagt ist Rovdyr der Titel eines norwegischen Thrillers, der unter dem etwas schwerfälligen, aber faktisch korrekten Titel Manhunt - Backwoods Massacre wahrscheinlich ab November auch in deutschen Videotheken zu finden sein wird. Noch ist jedoch nicht raus, ob deutsche Zuschauer in den Genuss einer ungeschnittenen Fassung kommen werden. Dabei ist Rovdry gar nicht so schlimm - wenn man sich in Metzgereien zuhause fühlt.

Ganz ehrlich, mit norwegischen Filmen habe ich bisher nicht gerade gute Erfahrungen gemacht. Vor ein paar Jahren lief auf dem Fantasy Filmfest mal ein norwegischer Serienkillerfilm, der so unaussprechlich langweilig war, dass ich die ganze Zeit über Flashbacks zu alten Mathestunden hatte. Ja, so langweilig. Rovdyr schafft es allerdings schon mit dem ersten Mord im Prolog, die Ehre des Landes wiederherzustellen, und danach wird der Film stetig besser.

Es geht um das, worum es in Backwoods-Slashern eigentlich immer geht: zwei Mädels und zwei Jungs aus der Stadt wollen ein Wochenende lang durch den Wald wandern. Nichts Böses ahnend (ok, als Zuschauer ahnt man natürlich schon Böses, deshalb guckt man den Film ja) nehmen sie eine Anhalterin mit und werden schon bald durch die tiefen Wälder Norwegens gejagt.

Das ist alles nicht neu, aber Rovdyr hebt sich aus der Menge der Backwoods-Slasher vor allem aus zwei Gründen ab: zum einen spielt er im Heimatjahrzehnt des Genres, in den 70ern, womit so lästige Fragen wie “Warum rufen die nicht einfach vom Handy die Bullen an?” einfach unter den Tisch fallen, zum anderen ist er echt gut inszeniert. Hart, schnell, kaum peinliche Dialoge und blasse, reduzierte Farben. Der Wald wird zum Protagonisten, und das ist kein mystischer Wald wie in Pans Labyrinth, sondern ein trostloser, kalter Ort, ein bisschen wie in Blair Witch Project. Klar fragt man sich als Zuschauer ab und zu schon, warum scheinbar geistig gesunde Menschen in einem solchen Wald wandern gehen wollen, aber hey, ich kenne keine Norweger, vielleicht finden die das cool. Außerdem denkt man ohnehin nicht allzu lange darüber nach, denn man wird fast sofort von Fragen wie “krass, haben die dem gerade die Zunge rausgeschnitten?” abgelenkt.