Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Sightseers

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests (FFF) erzählt die Geschichte eines frisch verliebten Paars, Chris und Tina, die sich in ihrem Wohnwagen auf eine einwöchige Tour durch den Norden Englands begeben. Dass beide nicht ganz sauber im Kopf sind, wird einem als Zuschauer recht schnell klar. Tina verhält sich so unbeholfen und dümmlich, dass sie an einigen Stellen fast schon zurückgeblieben wirkt, während Chris, um es freundlich zu sagen, ein gewisses Aggressionspotential besitzt. Hier ist ein Ausschnitt:

Sightseers ist eine Mischung aus schwarzer Komödie und dunkler Liebesgeschichte, in der zwei Menschen, die mit ihrem Leben nicht klar kommen, einander finden und inspirieren. Die Figuren sind bis in die kleinsten Nebenrollen toll besetzt, der ganze Film wird von den Hauptdarstellern Alice Lowe und Steve Oram, von denen auch das Drehbuch stammt, getragen.

Es gibt eine ganze Reihe wirklich witziger Situationen und Dialoge, doch am Ende verlässt man den Film mit dem Gefühl, dass etwas fehlt. Die Reise von Chris und Tina besteht wie bei den meisten Road Movies aus Einzelsequenzen, die aber keine richtige Geschichte erzählen. Dadurch plätschert Sightseers streckenweise vor sich hin und wirkt länger als seine knapp neunzig Minuten. Regisseur Ben Wheatley, der im letzten Jahr mit seinem Film Kill List auf dem Festival antrat, konzentriert sich nur auf die Entwicklung seiner Figuren und versucht, daraus eine Geschichte zu machen, was nur begrenzt gelingt. Mit einer strafferen Handlung hätte Sightseers ein toller Film werden können, so bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück.

3/5

Die Aufführung fand übrigens in Anwesenheit der beiden Hauptdarsteller statt, die im Anschluss noch einige Fragen beantworteten. Sie erzählten, dass sie den Film über vier Jahre hinweg entwickelt und sich vor allem auf Erinnerungen an verpatzte Familienurlaube gestützt hätten. Die Figuren Chris und Tina hätten sie als Teil eines Comedyprogramms für die Bühne entworfen, allerdings ohne deren düsteren Aspekt.