Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

So finster die Nacht

Ehrlich gesagt, bin ich kein großer Fan des skandinavischen Kinos. Manche Leute finden es ja ganz toll, Menschen mit mürrischem Gesichtsausdruck durch den Schnee stapfen zu sehen und zuzuhören, wie sie langweiliges Beziehungszeug labern, aber um so etwas zu erleben, reicht es das Fenster aufzumachen, da muss man nicht ins Kino gehen. Trotzdem hatte ich hohe Erwartungen an den schwedischen Vampirfilm Let The Right One In (So finster die Nacht). Darin geht es um einen einsamen, in der Schule nicht gerade beliebten Jungen, der sich in ein Mädchen verliebt, das gerade in die Wohnung nebenan gezogen ist. Da dieses Mädchen eher ungewöhnliche Nahrungsvorlieben hat, kommt es schon bald zu Problemen.

So finster die Nacht ist weder ein Actionknaller, noch ein Thriller und schon gar kein Vampirfilm im Stil von Twilight (eigentlich ist er sogar eine Art Anti-Twilight, was ihn noch sympathischer macht), trotzdem zieht er seine Zuschauer mit starken Bildern und einer melancholischen Geschichte um Bedürfnisse wie Freundschaft und Liebe in seinen Bann. Er ist super besetzt, selbst die scheinbar kleinste Nebenrolle wirkt sich auf die Geschichte aus und die wenigen gewalttätigen Momente beeindrucken. So finster die Nacht ist ein Film, der auch noch lange nach dem Abspann bei einem bleibt, so ging es mir zumindest. Kurz gesagt: allen, deren Aufmerksamkeitsspanne nicht schon in der Mitte eines Media-Markt-Werbespots nachlässt, kann man ihn empfehlen.