Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Spielverbot für Mumien

Stellt euch vor, ihr sitzt am Strand. Vor euch bauen einige Kinder eine Sandburg. Vorsichtig schichten sie den Sand mit ihren Förmchen auf, benetzen ihn immer wieder mit Wasser, formen hohe Türme, Burgmauern und Gebäude. Im Hintergrund hört man klassische Musik, Vivaldi oder so. Ihr wollt ein Foto machen, weil die Burg so toll ausssieht, aber auf einmal taucht wie aus dem Nichts eine Horde schreiender Kinder auf. Sie stoßen die anderen zur Seite, zertrampeln die Burg, pissen in die Förmchen und stellen sich dann zum Foto auf. Und natürlich sind sie sauer, als ihr sie nicht fotografieren wollt.

Das beschreibt ziemlich genau, was nach 10 Minuten in Die Mumie 3 passiert.

Das Tragische an dem Film ist nicht einmal, dass er schlecht ist - kann ja mal passieren - sondern das sich hinter dem Herumgehampel, dem schlampigen Drehbuch und den lustlosen Charakteren ein echt guter Film verbirgt. Eigentlich interessiert einen nur die Geschichte von Michelle Yeoh und Jet Li, doch durch die hetzt Die Mumie in den ersten zehn Minuten. Dann taucht der O’Connell-Clan auf, und von einer Sekunde auf die andere wird aus einem vielversprechenden Film ein müdes Geplänkel. Brendan Fraser macht das, was er immer macht, Maria Bello nervt so sehr, dass man ihrer Figur den sofortigen Tod wünscht, und der gemeinsame Sohn sieht verstörenderweise so aus, als wäre er höchstens zehn Jahre jünger als die beiden. Die Actionszenen sind zwar gut inszeniert, der Film sieht auch toll aus, trotzdem müsste man ihn unter “Verschenkte Lebenszeit” einordnen, wenn es da nicht eine Wendung gäbe, die so derartig behämmert ist, dass sie für tagelange Heiterkeit sorgt.

In einer Szene, als für unsere Charaktere alles hoffnungslos erscheint und man als Kinobesucher schon erleichtert nach der Jacke greift, tauchen auf einmal Yetis auf.

Ja, Yetis.

Deren Erscheinen ist so unmotiviert und unvorbereitet, dass man das auch wie folgende Szene hätte schreiben können:

“Verdammt, ich wollte doch einen Kuchen backen, aber ich habe ja gar keinen Zucker mehr.”

DING-DONG

“Oh danke, Yeti.”

Noch Tage später kam es bei den Leuten, mit denen ich den Film gesehen habe, zu Yeti-Dialogen:

“Ich habe den Film vergessen, den ich dir leihen wollte.”

“Macht nichts, ich frag einfach einen Yeti.”

“Mist, der Akku von meinem Handy ist leer.”

“Leih dir doch ein Handy von einem Yeti.”

“Weiß jemand, wie morgen das Wetter werden soll?”

“Der Yeti da hinten weiß es bestimmt.”

Allein dafür haben sich die €7,50 gelohnt, also danke, Yetis.