Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

The Dark Knight

Wenn man im Lexikon das Wort “Hype” nachschlägt, würde es momentan reichen, anstelle einer langen Erklärung einfach nur das Filmplakat von The Dark Knight abzudrucken. Die endlose Aneinanderreihung von Superlativen, die den Film begleiten, kann einem schon auf den Geist gehen. Da fallen Sprüche wie “Ein Meisterwerk!”; “Höhepunkt des Sommers, ach Quatsch, Höhepunkt des Jahres!”; “Ein Meilenstein der Comic-Verfilmungen!”; “Grandiose Leistung!” “Der Superheldenfilm ist erwachsen geworden!” “Geil!!!”

Dazu fällt mir nur eins ein:

Stimmt.

Okay, um ehrlich zu sein, fallen mir noch ein paar andere Dinge ein, wäre ja auch eine etwas blöde Kritik, wenn’s anders wäre. Fangen wir bei der Handlung an: Kurz gesagt geht es um den Krieg, den Gotham City gegen das organisierte Verbrechen führt. Dank Batmans und Lieutenant Gordons Einsatz läuft der ganz gut, doch richtig zur Sache geht er erst, als sich der neue Oberstaatsanwalt Harvey Dent (der was mit Bruce Waynes Ex Rachel Dawes hat) einmischt. In ihrer Verzweiflung wenden sich die Mafiosi an einen Typen, den sie eigentlich lieber umbringen würden, den völlig wahnsinnigen Joker. Dass es tatsächlich besser gewesen wäre, wenn sie ihn umgebracht hätten, stellt sich kurze Zeit später heraus, doch da ist es bereits zu spät.

Das klingt wie die übliche Superheldengeschichte, doch sie wird angetrieben von Figuren, die so komplex und sperrig sind, dass sie die Grenzen, die ihnen von der Handlung auferlegt werden, immer wieder sprengen, unterlaufen und ausdehnen. Bruce Wayne, der dunkle Rächer, der mit den Konsequenzen seiner Taten nicht klar kommt, Harvey Dent, der weiße Ritter, der zu gleichen Teilen aus Heldenmut und Selbstbetrug besteht und - natürlich - der Joker. Selten gab es einen gestörteren und unangenehmeren Gegenspieler als ihn. Sein vernarbtes Grinsen und das verschmierte, blasse Make-up lassen ihn wie eine Mischung aus Stephen Kings Pennywise und dem Albtraum eines jeden Kindergeburtstags wirken. Ein Bösewicht im klassischen Sinn ist er jedoch nicht, denn ebenso wie Bruce Wayne sucht er nach einer Art von Erlösung, nicht nur für sich selbst, sondern für die Welt. Bruce Wayne sieht diese Erlösung in einem Helden, der Ordnung ins Chaos bringt, während für den Joker Chaos das einzig erstrebenswerte Ziel ist. Dass die Welt weder das eine, noch das andere braucht, ist eine Erkenntnis, die der Film nur dem Zuschauer gewährt. Das ist schon geil.

Aber The Dark Knight besteht nicht nur aus philosophischen Unterhaltungen zwischen Gestörten, davon gibt es eigentlich nur zwei und die sind ziemlich kurz, sondern auch aus ganz viel super inszenierter Action. Das Tempo des Films und der dazu gehörende Adrenalinausstoß sind so hoch, dass man gegen Ende beinahe erschöpft ist und um die nötige Konzentration kämpfen muss. Ging mir zumindest so, aber das kann auch an der Flasche Dr. Peppers gelegen haben. Und an den zwei Flaschen Cola vorher. Und dem Kaffee. Na gut, wahrscheinlich hat es daran gelegen.

Die Frage, die man in den letzten Wochen zum Dark Knight am meisten hört, ist die: “Ist er so gut wie Iron Man?”. Da könnte man ebenso fragen: “Ist Lethal Weapon so gut wie L.A. Confidential? Ist Terry Pratchett so gut wie Tolkien? Ist Apfelstrudel so gut wie Pommes mit Mayo?”. Okay, ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Man kann sie nicht vergleichen, und man erweist beiden Filmen keinen Gefallen, wenn man es versucht.

Technisch ist The Dark Knight brillant, und wer die Möglichkeit hat, sollte ihn in einem IMAX-Kino sehen. Alternativ kann ich denjenigen, die den deutschen Starttermin nicht abwarten wollen und in der Nähe der holländischen Grenze wohnen, das Royal-Kino in Heerlen empfehlen.

Aber wo immer ihr auch wohnt, seht ihn euch an. Ich kann nicht versprechen, dass er euch gefallen wird (ich kenn euch ja nicht, na okay, nicht alle), aber … nee, kein aber, ich kann’s euch nicht versprechen. Probiert es einfach aus.