Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

The Happening - oder eher The Non-Happening

Heute habe ich eine kurze Auszeit von der EM-Filmberichterstattung genommen (ja, okay, einfach keinen Film gefunden), aber ein gewagter Selbstversuch fand trotzdem statt. Man sollte zwar mit großen Worten vorsichtig sein, vor allem, weil das Jahr noch nicht einmal zur Hälfte vorbei ist, trotzdem wage ich hier die Aussage, dass The Happening einer der drei schlechtesten Filme des Jahres 2008 sein wird. Und wie man sieht, denke nicht nur ich das:

The Crapening

Wo soll man anfangen? Am besten wohl mit der Handlung. Es geht um einen Lehrer (Mark Wahlberg in einer tragischen Fehlbesetzung) und seine Frau (Zooey Deschanel, nicht ganz so tragisch fehlbesetzt, wahrscheinlich, weil man mit der Rollenbeschreibung “Frau” als Frau nicht vollkommen daneben liegen kann, und viel mehr erfahren wir über sie nicht), die vor einer unerklärlichen Selbstmord-Epidemie zu fliehen versuchen. Dabei treffen sie auf alle möglichen Leute, die uns aber nicht weiter interessieren müssen, weil sie M. Night Shyamalan offensichtlich auch nicht interessiert haben. Das wäre okay, wenn M. Night Shyamalan einfach nur ein Typ wäre, der mal an dem Filmplakat zu The Happening vorbei gegangen ist, leider ist er aber der Regisseur, Produzent und Autor des Films.

Anders gesagt: er ist schuld.

Um es kurz zu machen - die meisten von euch lesen ja nicht nur eine Webseite am Tag - will ich hier nur die schlimmsten Verfehlungen aufzählen. Da hätten wir zum einen die Inszenierung, die größtenteiles daraus besteht, dass Leute durch irgendwelche Felder laufen oder in dunklen Räumen sitzen und über Handy oder aus dem Radio erfahren, was gerade in den Selbstmordstädten abgeht. Äh… hallo? Ist das ein Film oder ein Hörspiel? Wenn es Massenpaniken gibt und sich die Leute reihenweise und teilweise sehr kreativ aus dem Leben verabschieden, will man das sehen und nicht nur in einem zufällig gefundenen Radio hören. Laut Wikipedia entstand The Happening übrigens in Philadelphia, Frankreich und Belgien, keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich gibt es subtile Unterschiede zwischen dem Löwenzahn auf amerikanischen, französischen und belgischen Wiesen oder M. Night Shyamalan hatte einfach nur Bock auf Europa. Geholfen hat es dem Film jedenfalls nicht.

Die Dialoge haben dem Film ebenfalls nicht geholfen. Ständig fragt jemand:

“What’s happening?”

“Is this really happening?”

“Do you know what’s happening?”

“Is this the end?” – Schön wär’s, aber als dieser Satz fällt, sind immer noch zwanzig Minuten Film übrig. Zwanzig sehr, sehr lange Minuten übrigens.

Und damit wären wir auch schon beim größten Manko des Films: er ist sterbenslangweilig. Das liegt zum Teil an der Art der Bedrohung. Schließlich bringen sich die Leute nur um, sie rennen nicht 28 Day Later-mäßig mit dem Wagenheber herum und töten alles, was einen Puls hat. Trotzdem könnte das Ganze noch relativ spannend sein, wenn man einen Bezug zu den Figuren hätte. Hat man aber nicht. M. Night Shyamalan geht mit seinen Figuren so lustlos um, dass man sich fragt, warum er nicht einfach ein paar Kürbisse ausgehöhlt und ihnen Zettel mit “Lehrer”, “Lehrerfrau”, “Gestörter Typ aus dem Gewächshaus” und “Exzentrische Alte” aufgeklebt hat. Wäre billiger gewesen und gemerkt hätte es wohl auch keiner - aber vielleicht war auf den belgischen Feldern gerade keine Kürbis-Saison.

Nach Lady in the Water dachte ich eigentlich, M. Night… nee, ich guck nicht noch mal nach, wie der Name geschrieben wird, hätte seinen Tiefpunkt erreicht, aber das war wohl etwas naiv. The Happening legt die Messlatte ein ganzes Stück tiefer, so tief, dass man beinahe glaubt, es könne nur besser werden.

Aber vielleicht ist das auch naiv.