Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

The Last Airbender

Wie soll ich anfangen?

Nein, das ist nicht die Frage, die ich mir gerade stelle, sondern, die, die sich M. Night Shyamalan hätte stellen sollen, bevor er diesen - wie sage ich das am freundlichsten? Ah, ich weiß - unerträglichen Müll auf die Leinwand gebracht hat. The Last Airbender ist zwar nur dreiundneunzig Minuten lang, aber die durchzuhalten ist so, als würde man dreiundneunzig Minuten lang mit einem Stein im Schuh joggen, nur weil man zu faul ist, ihn auszuziehen. Und das ist auch der einzige Grund, weshalb ich den Saal nicht vor Ende des Films verlassen habe: ich war zu faul aufzustehen.

Es ist kein Wunder, dass die meisten Szenen, die man im Trailer sieht, aus dem letzten Viertel stammen, das ist nämlich das einzige, in dem etwas passiert. Den Rest des Films verplempert Shyamalan mit einer Verwirrtaktik aus Exposition und peinlich herablassender Technikkritik, die dem Zuschauer wohl suggierieren soll, der Film habe Tiefe. Hat er nicht.

Kommen wir aber erst mal zur Handlung: In dieser Fantasy-Welt gibt es vier Nationen. Jede kann eines der vier Elemente (Wasser, Luft, Feuer und Erde, was der Film uns ungefähr fünfzig Mal erklärt) manipulieren. Nur der Avatar ist in der Lage, alle vier unter seine Kontrolle zu bringen; außerdem kann er als einziger mit der Geisterwelt kommunizieren. Geisterwelt = Esoterikgeblubber, für den Fall, dass ihr euch fragt, was denn in einer Geisterwelt so geredet wird.

Vor hundert Jahren verschwindet der letzte Avatar plötzlich, worauf die ganze Welt in Krieg und Chaos versinkt, keine Ahnung, warum. Die Feuernation reißt die Herrschaft an sich und unterdrückt zwei der anderen Nationen. Die dritte (Luft) löscht sie aus, weil der Avatar angeblich als einer von ihnen, also ein Airbender wiedergeboren werden soll. Ich versuche übrigens nicht daran zu denken, dass sich dahinter wahrscheinlich eine Jesusmetapher verbirgt. Manchen Dingen sollte man sich nicht stellen.

Das Ganze geht aber in die Hose, da der Airbender noch lebt, nur hundert Jahre lang im Eis eingeschlossen war. Zwei Jugendliche aus dem Waterbender-Stamm befreien ihn und beginnen mit seiner Hilfe, geknechtete Earthbender zu befreien. Das findet die Feuernation natürlich kacke, also schickt sie eine Flotte aus riesigen, hässlichen Eisenschiffen, die Feuer und Asche kilometerweit in die Luft schleudern, um Aang, den Avatar, zu töten. Uuuuhhh, böse.

Aber es gibt noch eine weitere Fraktion, nämlich den verstoßenen Sohn des Feuernationenkönigs, der den Avater fangen und damit seinen Namen reinwaschen will. Ach ja, und irgendwann erfahren wir auch, dass Aang nur Luft “benden” kann, weil er von den Mönchen abgehauen ist, bevor die ihm den Rest beibringen konnten. Deshalb muss er Lehrer für die anderen Elemente finden.

Eigentlich sollte das die Ausgangssituation des Films sein, aber Shyamalan verteilt diese Informationen quer durch den Film. Das führt dazu, dass man ständig Szenen sieht, die man nicht versteht, nur um fünf Minuten später erklärt zu bekommen, was gerade passiert ist.

Bestes Beispiel ist Prinz Zuko, der verstoßene Sohn, der anfangs irgendwas von “Ich muss meine Ehre wiederherstellen” murmelt, keiner kapiert es und dann, fast zwanzig Minuten später, sitzt er in einer Kneipe und ruft einen Jungen vom Nebentisch herbei, den er dann fragt, was er über Prinz Zuko weiß. Der Junge spult den Zuko-Wikipediaeintrag ab und geht wieder. Kein Scheiß. So funktioniert Exposition in The Last Airbender. Ein anderes Mal erklärt eine Großmutter ihren Kindern völlig unmotiviert die Welt, inklusive einer Karte, die sie wohl gerade so rumliegen hat.

Hinzu kommen geheime Schriftrollen, die achtzig Minuten lang kein Schwein erwähnt, die aber plötzlich handlungsentscheidend sind. Das ist so ähnlich wie in Hercule-Poirot-Filmen, wenn am Ende die Verdächtigen zusammengerufen werden, man rätselt, wie Poirot auf den Mörder gekommen ist, nur um dann zu hören: “Ich habe gestern dieses Telegramm aus Paris bekommen und weiß jetzt bla bla…”

Dieser Klebeschinken unter den Drehbüchern ist jedoch nicht das einzige Problem des Films. Würde zwar reichen, aber nein, es geht weiter. Die Kinderdarsteller wirken, als hätten sie ihren Text zum ersten Mal am Drehtag gehört, während die Erwachsenen den Eindruck erwecken, das alles sei ihnen peinlich. Zu recht übrigens.

Die Spezialeffekte, vor allem die Wassersequenzen, scheinen aus den Neunzigern geflohen zu sein, die 3Deifizierung legt einen Schleier über die Leinwand, der Konturen und Farben aus dem Bild zieht und nur Brei zurücklässt.

Der absolute Hammer sind jedoch die Martial-Arts-Einlagen. Ich kenne die Zeichentrickserie nicht, aber anscheinend kann man die Elemente nur bändigen, wenn man dabei herumhampelt. Okay, kann ich mit leben, nur würde ich zu gern wissen, wer M. Might Shyamalan gesagt hat, es sei eine gute Idee, wenn die Bender dabei aussehen wie Shaolin-Mönche, die man mit Ganzkörper-Tourette infiziert hat.

The Last Airbender macht einfach alles falsch. Sogar die Musik ist scheiße. Nur eines gibt einem als Zuschauer nach Ende dieses Fiaskos eine gewisse Hoffnung: dass der zweite Teil, auf den der Film eindeutig ausgelegt ist, den gleichen Weg gehen wird wie die Nation der Airbender und am Ende nur einer übrig bleibt.