Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

The Lovely Bones oder...

… wie ein Fehler fast einen ganzen Film ruinieren kann. Und ja, ich weiß, dass die Kritik etwas spät kommt, aber ich hatte ganz vergessen, dass ich die in einem Ort namens Greymouth (klingt das nicht wie aus einer Geschichte von H.P. Lovecraft? War auch so) geschrieben hatte. War auf einem englischen Rechner, deshalb die fehlenden Umlaute.

The Lovely Bones in Neuseeland zu sehen, hat schon irgendwie Stil, deshalb wollten wir das auch in jedem Fall machen. Ist uns gelungen, gelohnt hat sich das auch, aber vollstaendig ueberzeugen konnte der Film mich nicht. Der Grund dafuer hat einen Namen, sogar einen ziemlich bekannten: Mark Wahlberg.

Irgendwie habe ich gelesen, Mark Wahlberg sei nur die dritte Wahl fuer die Rolle des Vaters gewesen, der mit der Ermordung seiner Tochter nicht fertig wird. Wenn das wirklich stimmen sollte, dann wuenschte ich, man waere direkt zur vierten Wahl uebergegangen. Waere bestimmt nicht uebler gewesen. Um es auf den Punkt zu bringen: Mark Wahlberg ist schlecht. Er gewinnt der Rolle keinerlei Facetten ab, er kann den Film nicht tragen und schafft es nicht, eine emotionale Verbindung zum Zuschauer aufzubauen… zumindest nicht zu mir, und ich mag Mark Wahlberg. Man sieht seinem Leid von aussen zu, wird aber nie soweit mit hineingezogen, dass man sich mit ihm identifizieren kann. Das ist ein Problem, da er neben seiner ermordeten Tochter (die uebrigens grossartig besetzt ist) im Zentrum des Films steht. Seine Frau (ebenfalls toll), seine Schwiegermutter (Susan Sarandon, die eine wunderbare Absolutely Fabulous-Rolle spielt), seine beiden anderen Kinder und natuerlich der Serienkiller von nebenan (Stanley Tucci, der den Oscar bekommen haette, waere da nicht Inglorious Basterds gewesen) - alle sind besser als er. Aber zum Glueck lebt The Lovely Bones nicht nur von seiner Darstellung. Der Film bietet neben seinen Figuren eine leise, aber ungeheuer packende Story, bei der Humor, Sentimentalitaet, Spannung und Gewalt zu den exakt richtigen Momenten kommen. Diese Gradwanderung haette in den Haenden eines anderen Regisseurs kippen koennen - ich sage nur der Kuss - aber Peter Jackson waehlt genau den richtigen Tonfall, inklusive einer Humoreinlage, die sich ausser ihm wohl kaum jemand in einem solchen Film getraut haette.

Technisch ist The Lovely Bones mit typischer WETA-Brillanz umgesetzt. Das Reich zwischen Himmel und Erde, in dem Sandy nach ihrem Tod existiert, ist ebenso wunderbar wie gruselig. Einige Bilder hauen einen foermlich um.

Trotz allem sieht man am Ende aehnlich wie Sandy mit ein wenig Wehmut auf die letzten zwei Stunden zurueck. Man hat zwar einen guten Film gesehen mit einem perfekt auf den Punkt gebrachten Ende, doch den grossartigen Film, den ich sehen wollte, ist Peter Jackson mir leider schuldig geblieben.