Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

The Possession

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Wer sich im Horrorgenre auskennt, weiß, dass man Gegenständen mit fremden Schriftzeichen, vor allem lateinischen und “ich habe solche Symbole noch nie gesehen”, tunlichst aus dem Weg gehen sollte. The Possession erweitert diese Regel um die hebräische Sprache, womit der einzig originelle Aspekt des Films abgehakt wäre.

Der Trailer verrät, worum es geht:

Emily (Natasha Calis) gibt eine recht effektive Linda Blair ab. Sie schreit, krächzt, nutzt Gabeln als Waffe und rollt mit den Augen, bis die Pupillen in den Höhlen verschwinden. Ständig tauchen irgendwelche CGI-Motten auf, vor denen wir uns wahrscheinlich ekeln sollen, aber da kann ich mir weit unangenehmere Tiere vorstellen: Kakerlaken zum Beispiel oder Mini-Haie mit Clownsgesichtern.

So etwas traut sich The Possession aber nicht, denn der Film ist tief im Mainstream verhaftet. Nicht zu gruselig, nicht zu eklig, nicht zu spannend, nur gerade so viel Horror, dass 13-jährige Jungs damit angeben können, sich in den Saal geschmuggelt zu haben.

Das ist an sich nicht verwerflich. Ein bisschen langweilig und vorhersehbar vielleicht, aber es gibt schlimmeres. Zum Beispiel extreme Lahmarschigkeit, und da punktet The Possession leider voll. Der Film kriecht dahin.

Erst werden die Charaktere in epischer Breite vorgestellt, dann kommen die üblichen “Keiner glaubt dem Vater, dass seine Tochter besessen ist”-Szenen, und irgendwann erlöst uns der Showdown von einem Film, dessen 90 Minuten sich wie eine sechsstündige HBO-Miniserie anfühlen. Dass man Mainstream machen und den Arsch hochkriegen kann, beweist The Pact, deshalb kriegt The Possession auch einen Stern weniger.

2/5