Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Trick r Treat

Die von Bryan Singer produzierte Horror-Anthologie lag über ein Jahr auf Eis und wird demnächst auf DVD erscheinen. Fast alle, die den Film heute auf dem Fantasy-Filmfest sahen, fanden ihn total super, und mit “fast” meine ich, alle außer mir.

Wie ihr wahrscheinlich schon messerscharf geschlossen habt, spielt Trick ‘r Treat an Halloween. Es gibt vier Geschichten, die locker miteinander verwoben und mehr oder weniger gleichzeitig erzählt werden. Wir begegnen einem Killer, einer Jungfrau, ein paar Kids, die einer Legende auf den Grund gehen wollen, einem Paar, dessen Abend anders als erwaret verläuft und einem alten Mann. Die Besetzung (vor allem Dylan Baker, Anna Paquin und Brian Cox) ist toll, die IMDB-Wertung liegt bei über acht Punkten, Bryan Singer weiß, wenn er nicht gerade Superman dreht, im Allgemeinen was er tut, es gibt Zombies, Geister, viel Blut und Humor. Klingt alles nach einem Spaßkracher, und diese Hoffnung erfüllt Trick ‘r Treat in der ersten halben Stunde auch, danach fällt er jedoch in sich zusammen wie ein überreifer Kürbis.

Die Geschichten sollten, wenn sie schon parallel erzählt werden, in einem gemeinsamen Höhepunkt, der alle Twists enthüllt, zusammen kommen, sonst könnte man sie ja auch nacheinander erzählen. Das passiert in diesem Film aber nicht. Nach zwanzig Minuten gibt es einen Höhepunkt, irgendwann einen anderen, dann werden Figuren wieder belebt, die auf einmal Teil einer anderen Geschichte sind, die nicht zu dem, was wir vorher gesehen haben, passt. Manche Charaktere tauchen nicht wieder auf, obwohl man sich eine weitere Erklärung gewünscht hatte, und den Sinn einer Figur kapiere ich einfach nicht. Vielleicht ist mir da etwas entgangen, deshalb wäre ich sehr froh, wenn mir jemand, der den Film gesehen hat, erklären könnte, was zur Hölle der kleine Typ mit dem Jutekopf soll? Ist das ein angepisster Vegetarier oder der Urvater aller Kürbisse, der sich für das Kürbismassensterben an Halloween rächen will? Ich weiß es nicht.

Abgesehen von diesem Verständnisproblem versagt Trick ‘r Treat in drei weiteren Kriterien. Er ist nicht spannend. Er ist nicht gruselig. Er ist nicht clever. Nur lustig ist er ab und zu und gut gespielt, aber mit der Mutter aller Anthologiefilme, Creepshow kann er sich nicht mal annährend messen. So sehe ich das zumindest, aber 628 IMDB-User und ein Saal voller Genre-Fans sehen das ganz anders.