Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Under the Dome ist gar nicht mal schlecht

Man könnte eine Kritik wahrscheinlich etwas enthusiastischer betiteln, aber das hat sich die auf Stephen Kings 2009 erschienenem Roman basierende Miniserie noch nicht verdient.

In Under the Dome geht es um eine Kleinstadt in Maine (wo auch sonst), die plötzlich von einer unsichtbaren, undurchdringlichen und unüberwindbaren Kuppel eingeschlossen wird. Das sorgt schon auf den ersten Seiten, beziehungsweise in den ersten Minuten für Verluste. Im Buch wird ein Dachs in der Mitte durchgehauen, in der Serie ist es eine Kuh, was visuell natürlich beeindruckender ist. Ein kleines Flugzeug und einen Truck erwischt es ebenfalls, es fallen Körperteile und tote Vögel vom Himmel.

Das fängt also schon mal gut an.

Zwei Menschen getrennt von der Kuppel

Kings Roman lebt aber nicht nur von einer interessanten Prämisse, sondern vor allem von seinen Charakteren. Die Serie führt in der ersten Folge einige ein, die man aus dem Buch kennt und fügt eigene hinzu. Es gibt Konflikte, unter anderem zwischen dem Sheriff und einem machtgierigen Stadtverordneten (dass er machtgierig ist, verdeutlicht die Serie, indem sie ihn beim Lesen einer Biographie über Churchill zeigt). Viele unausgesprochene Probleme schwelen unter der Oberfläche der scheinbar ruhigen Kleinstadt, und als Zuschauer ahnen wir, dass die Kuppel sie in einen Flächenbrand verwandeln wird.

Die Geschichte weicht schon in der ersten Folge vom Buch ab. Verschiedene Ereignisse weisen auf ein Rätsel hin, das dort nicht vorkommt. Das ist völlig okay, denn wenn man dem Roman eines vorwerfen kann, dann das Ende. Sollte man bei CBS auf eine bessere Idee gekommen sein als King, herzlichen Glückwunsch, der Rest der Geschichte hätte das verdient.

Da also anscheinend die Prämisse, die Charaktere und die Geschichte stimmen, wieso reicht es dann nicht zu mehr als einem “Nicht schlecht”?

Kurz gesagt: Weil die Leute alle zu gut aussehen.

Das klingt jetzt vielleicht wie Kleinkram, schließlich sehen die meisten lieber einen George Clooney an als einen Reiner Calmund, aber die Charaktere in Under the Dome sind Hollywood, nicht Maine. Da ist keiner hässlich oder fett, selbst der Stadtverordnete “Big Jim” Rennie, der im Buch wie die Antichrist-Version von John Goodman beschrieben wird, hat nur eine Plauze. Kein Mensch würde ihn deshalb Big Jim nennen.

Leute in Kleinstädten, egal, ob in Maine oder Schleswig-Holstein, sehen nicht so aus. King weiß das, deshalb beschreibt er seine Figuren wesentlich weniger attraktiv. Davon abzuweichen, schadet der Glaubwürdigkeit, die so wichtig für eine eigentlich völlig unglaubwürdige Geschichte ist. Wir als Zuschauer müssen den Eindruck bekommen, dass wir ganz normale Leute beobachten, deren Welt auf einmal im Chaos versinkt. Dank des Castings von CBS wirkt es auf mich jedoch so, als würde ich Schauspielern zusehen, die auf Ereignisse in einem Drehbuch reagieren. Tue ich natürlich, aber der Erfolg jeder Geschichte hängt davon ab, dass man in ihr versinkt, sei es zwischen den Buchstaben eines Textes oder den Bildern einer Kamera. Bis jetzt pralle ich an Under the Dome ab wie ein Vogel an der Kuppel.

Ich hoffe, dass sich das ändert.