Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Universal Soldier - Day of Reckoning

Die folgende Kritik ist auch auf SFR erschienen.

Universal Soldier: Day of Reckoning oder wie ich ihn betiteln würde, Universal What The Fuck: Day of Hä? ist kein Film für Weicheier. Um diese neunzig Minuten… ich sag das jetzt mal so, wie es ist… gequirlte Scheiße durchzustehen, ohne irgendwann mit Schaum vor dem Mund im Kinosessel zusammenzusinken, muss man schon hart im Nehmen sein. Und nein, das liegt nicht nur an den Epilepsie-auslösenden Stroboskopblitzen, mit denen Regisseur John Hyams (Sohn von Peter Hyams) die Halluzinationen seiner Hauptfigur einleitet. Die wären an sich schon schlimm genug, aber die restliche “Handlung” toppt sie locker.

Versuchen wir mal zu ergründen, worum es in dem Film geht. John (Scott Adkins, dessen IMDB-Seite uns charmanterweise darauf hinweist, dass er aus einer Familie von Metzgern stammt), seine Frau (ist egal, wer die spielt, die ist eh gleich tot) und seine Tochter (dito) werden eines Abends überfallen. John wird übelst zusammengeschlagen, der Rest der Familie verabschiedet sich aus dem Leben und der Handlung.

Als John nach neun Monaten aus dem Koma erwacht, macht er sich auf die Suche nach dem Mörder, einem Typen namens Luc Deveraux (van Damme). Blöd ist dabei nur, dass John das Gedächtnis verloren hat und dass alle, die ihn kennen, ihn für einen Psychopathen halten. Das schließt übrigens eine osteuropäische Stripperin ein, die aber trotzdem mit ihm loszieht, wahrscheinlich, weil… nee, tut mir leid, ich habe keine Ahnung, warum.

John wird ständig angegriffen, irgendwann schlägt ihm sein Verfolger, ein Typ, der aussieht wie die 1-Euro-Version von Gerald Butler sogar ein paar Finger ab, die kurz darauf nachwachsen. Ein normaler Mensch würde jetzt wahrscheinlich zu der Stripperin gehen und sagen: “Ey, guck mal, cool, oder?”, John starrt jedoch nur vor sich hin, reißt das Waschbecken aus der Wand und schlägt den Spiegel in Stücke. Wahrscheinlich, weil… nee, sorry, immer noch keinen Plan.

Der ganze Film besteht aus einer Aneinanderreihung ähnlich bizarrer Szenen, die meistens ohne Kontext präsentiert werden. Einer von van Dammes Jüngern (er ist so eine Art Messias der Übersoldaten) lässt sich in einem Bordell einen Nagel durch die Hand schlagen, ein Typ sitzt in einer Hütte und neben ihm steht ein Vogelkäfig voller leerer Whiskyflaschen, 1-Euro-Butler halluziniert minutenlang vor sich hin, Dolph Lundgren (ja, der hat auch drei Szenen) erzählt irgendwas, und so weiter.

Man wartet mit wachsender Verwirrung darauf, dass John endlich einmal fragt, was in dem Film eigentlich los ist, aber das passiert bis zum Ende nicht. Es wird ständig nur angedeutet, er müsse den Fluss hinauffahren, wenn er ihn finden wolle. Irgendwann begriff mein, in dieser Mischung aus unendlicher Langeweile und bedeutungsschwangeren Dialogen gefangenes Gehirn, dass es sich dabei um eine Anspielung auf Apocalypse Now handelt und mir wurde mit Schrecken etwas klar:

John Hyams dachte, er macht das hier

Fresko

doch die Realität sieht leider so aus

Comicfresko

1/5, aber auch nur wegen einer gelungenen Actionsequenz und dem Ende, das tatsächlich mit viel Phantasie etwas Sinn ergibt.

Universal Soldier 4