Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Boah, ist der süß

Bevor es zu Missverständnissen kommt: ich meine nicht etwa den niedlichen Hari-Krishna-Zombie aus Dawn of the Dead (natürlich dem alten), sondern Wall-E, den kleinen Roboter, der schon seit Monaten für peinliche Anti-Piraterie-Werbung missbraucht wird, aber das Glück hat, in einem der besten Filme dieses Jahres die Hauptrolle zu spielen.

Kein Scheiß, Wall-E ist zusammen mit The Dark Knight für mich eines der Highlights dieses ohnehin guten Kinojahrs. Die Handlung passt zwar ins Display eines Taschenrechners - einsamer Roboter muss zugemüllte Erde aufräumen, verliebt sich in weiblichen Roboter, rettet die Menschheit - aber Pixar füllt diese scheinbar simple Geschichte mit unglaublich vielen Details, Anspielungen und Gesellschaftskritik. Ja, ich habe das böse Wort gesagt: “Gesellschaftskritik”. Und die macht sogar Spaß.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Film nie gedreht worden wäre, wenn Disney mit Pixar nicht bereits so viel Geld verdient hätte, dass sie Island kaufen könnten. Okay, war vielleicht ein schlechtes Beispiel, aber ihr wisst, was ich meine. Pixar hat Disney echt Kohle gebracht. Und deshalb hat man wohl auch auf John Lasseter und seine Leute gehört, als sie einen Film vorschlugen, in dem es um Umweltverschmutzung und Eigenverantwortung geht, in dem in den ersten 45 Minuten außer den Worten “Wall-E” und “Eva” kaum ein Wort gesagt wird, in dem Kinder und Tiere (abgesehen von Wall-Es kleiner Kakerlake) keine Rolle spielen und der Roboter-Hauptdarsteller ungefähr den IQ eines elektrischen Korkenziehers hat. Klingt nicht gerade nach einem Kassenknüller.

Doch es ist einer geworden, wahrscheinlich weil es Pixar wie schon in Ratatouille gelingt, drei Filme in einem zu drehen, nämlich einen kindgerechten Zeichentrickfilm mit viel Slapstick, eine romantische Komödie um einen sympathischen Verlierer, der eine unerreichbar wirkende Schönheit anhimmelt und eine subversive… nein, ich sage das böse Wort nicht noch einmal… Geschichte, deren Aussage an Fight Club erinnert. Das alles in neunzig Minuten Familienunterhaltung zu verpacken, muss man erst mal bringen.

Pixars nächstes Projekt klingt übrigens ähnlich schräg. In Up wird es um einen siebzigjährigen Abenteurer gehen, der die Welt bereist und gegen Ungeheuer kämpft. Ich bin gespannt.