Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Aliens - Colonial Marines: Guckt lieber noch mal die Filme

Sechs Jahre. Sechs Jahre hat sich Gearbox (Borderlands) mit der Entwicklung von Aliens: Colonial Marines Zeit gelassen, aber das Ergebnis sieht leider eher nach sechs Wochen aus - und zwar nach sechs Wochen, in denen man ab und zu auch mal was anderes gemacht hat, wie die CD-Sammlung nach dem griechischen Alphabet sortieren oder Borderlands zu spielen, um sich daran zu erinnern, dass man auch gute Spiele machen kann.

Aliens Cover

Kurz zur Geschichte: Aliens: Colonial Marines spielt siebzehn Wochen nach den Ereignissen des Films. Eine neue Einheit Marines soll das verlassene Raumschiff Sulaco und die Überreste von Hadley’s Hope erkunden. Damit ist eigentlich schon alles gesagt, denn mehr Mühe gibt man sich mit der Geschichte nicht. Das wird vor allem an einem Punkt, den ich hier nicht spoilern will, deutlich, als einer der Marines auf einen Aspekt aufmerksam macht, der null Sinn ergibt und zur Antwort bekommt: “Das ist eine andere Geschichte”. Ob der Satz nur hingerotzt ist (würde mich nicht wundern) oder andeuten soll, dass man in einem später erscheinenden DLC mehr erfahren wird, bleibt abzuwarten.

Aliens: Colonial Marines fängt gar nicht mal schlecht an. Gearbox hat die Kulissen, die man aus dem Film kennt, liebevoll nachgestellt und einige wirklich schöne Details (zum Beispiel findet man das Unterteil von Bishop) eingefügt. Auch im Verlauf der Kampagne stößt man immer wieder auf Kleinigkeiten, die einen daran erinnern, in welchem Universum man sich befindet. Die ersten Minuten, wenn man auf der Suche nach vermissten Marines tiefer in das alienverseuchte Schiff vorstößt, sind genauso, wie man sie sich vorstellt: düster, unheilverkündend, angespannt. Der Kampf, der kurz darauf folgt, ist zwar kurz, aber intensiv, die Kulissen bedrohlich. Zu diesem Zeitpunkt macht das Spiel noch richtig Spaß.

Die nächste Mission offenbart jedoch die Schwächen von Aliens: Colonial Marines und die sind leider gewaltig. Da wären zum einen technische Probleme: NPCs stehen ineinander, Aliens, die man erschossen hat, lösen sich gelegentlich einfach auf, die Marines, mit denen man das Schiff erkundet, irren scheinbar planlos durch Räume oder bleiben mit dem Gesicht zur Wand stehen. Auch die Aliens vergessen ab und zu, dass ihr einziges Ziel das Töten ist und meditieren stattdessen lieber, während man einfach an ihnen vorbeigeht. Eurogamer hat im folgenden Video einige der besten Bugs zusammengefasst.

Mit ein paar Bugs könnte man ja leben, für so etwas gibt es schließlich Patches, doch die Probleme von Aliens: Colonial Marines fangen dort erst an. Unverzeihlich ist die Dummheit der AI. Die Aliens sind zu blöd, um in Massen anzugreifen oder mal den Kopf zur Seite zu nehmen, wenn sich die Mündung einer Schusswaffe auf sie richtet. Wie in einem alten Karatefilm laufen sie nacheinander ins Bild, und so lange einem die Munition nicht ausgeht (unwahrscheinlich), kann man sie einfach abknallen. Aliens sollten furchteinflößend und übermächtig sein, in diesem Spiel sind sie nur etwas, das man umlegt, um die Mission zu Ende zu bringen. Es ist schon traurig, dass man sich auf Kämpfe gegen die menschlichen Gegner von Weyland-Yutani freut, da die zumindest einen Hauch von Selbsterhaltungstrieb haben und es einem nicht ganz so leicht machen. Auf der anderen Seite ziehen sich die Schusswechsel mit ihnen in epische Länge, was die Freude dann auch wieder trübt.

Die Kampagne dauert, wenn man sich wie ich gelegentlich mit Granaten selbst in die Luft sprengt, knappe sechs Stunden, fühlt sich aber deutlich länger an. Das Gameplay wirkt so altmodisch wie die Umgebung, durch die man sich als Spieler bewegt, die schlechten Charakteranimationen und Dialoge zerstören auch das letzte bisschen Atmosphäre. Nichts hebt Aliens: Colonial Marines von anderen Shootern der letzten zwanzig Jahre ab, es gibt im gesamten Spiel keine einzige originelle Idee.

Die vier Multiplayemodi wirken so, als hätte man sie im letzten Moment noch eingefügt und leiden darunter, dass die Aliens den Marines hoffnungslos unterlegen sind. Sie zu spielen macht keinen Spaß, vor allem nicht, wenn die Maps so offen und weitläufig sind, dass man die wenigen Vorteile der Aliens nicht nutzen kann.

Dass Gearbox es geschafft hat, ein Franchise, das sich wie kein anderes als Shooter anbietet, in ein so langweiliges, uninspiriertes Schnarchfest zu verwandeln, ist fast schon beeindruckend, aber vor allem schade. Die Aliens und die Spieler, die jahrelang gewartet haben, hätten Besseres verdient.

2/5 aber auch nur wegen der ersten zehn Minuten

Update: Auf 4Players.de könnt ihr nachlesen, was sich hinter den Kulissen abgespielt haben soll. Wenn das so stimmt, würde es einiges erklären.