Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Watchmen

Ich hätte als Überschrift auch “Ach du scheiße”, “Boah”, “Meine Fresse!” oder “Bleistift” wählen können, ihr hättet beim Anblick des Logos eh gewusst, wovon ich rede, denn in diesem Frühjahr ist wohl kein Genre-Film so sehnlichst erwartet worden. Okay, Star Trek spielt in einer eigenen Liga, aber mal davon abgesehen, ist Watchmen wirklich das Ding.

Watchmen ist all das, worauf man nach den Trailern hoffen konnte. Regisseur Zack Snyder gelingt es, Alan Moores großartiges Superheldenepos auf den Punkt genau umzusetzen und dabei einen Film zu erschaffen, der den Geist des Comics einfängt, aber nicht davor zurückschreckt, auf eigenen Füßen zu stehen.

Oder sagen wir es so: wer bei dem Begriff “Superheld” nicht das Tourette-Syndrom bekommt, wird bei Watchmen auf seine Kosten kommen. Die anderen sollten jetzt aufhören zu lesen.

Noch da? Super, dann können wir ja weitermachen. Für all die, die den Comic nicht kennen, kurz ein paar Sätze zur Handlung: Maskierte Superhelden, die seit Jahrzehnten die Menschen in den USA und den Staat an sich beschützen, werden Mitte der 1980er per Gesetz verboten und geben größtenteils ihren Kampf für das, was sie für Gerechtigkeit halten, auf. Als einer der ihren umgebracht wird, begibt sich ein rebellischer Superheld namens Rorschach auf die Suche nach dem Mörder. Parallel dazu droht ein Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion und auch sonst läuft es nicht wirklich gut für Menschen mit und ohne Maske.

Diese Zusammenfassung kratzt allerdings nur grob an der Oberfläche von dem, was Watchmen ausmacht. Handlung und Charaktere sind enorm komplex, weshalb Watchmen lange Zeit als unverfilmbar galt. Film und Comic springen locker zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, es gibt Tagebucheinträge, Hintergrundgeschichten, einen Comic im Comic (was im Film fehlt) und so weiter. Dr. Manhattan, einer der wichtigsten Protagonisten, nimmt darüber hinaus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als eins wahr, was Unterhaltungen mit ihm eher anstrengend gestaltet. Alles nicht ganz einfach, aber es funktinioniert… mehr als das, die Umsetzung ist das Beste, was man sich bei diesem Stoff erhoffen konnte. Das fängt bei der hervorrangenden Besetzung an und endet bei den Effekten und der Musikauswahl.

Zack Snyder und sein Team fangen das Gefühl dieser Parallelwelt ein, ihre Hoffnungslosigkeit, ihre Verzweiflung, aber auch ihre Entschlossenheit, nicht unterzugehen. Das spiegelt sich in den Charakteren wider, die trotz all ihrer Fähigkeiten Verlorene sind und versteckt hinter Masken ihren Träumen nachjagen. Ob diese Träume für andere gut oder schlecht sind, muss der Zuschauer entscheiden.

Watchmen bringt es auf eine Lauflänge von rund zwei Stunden vierzig, der Director’s Cut, der uns auf DVD erwartet, wird wohl eine halbe Stunde länger sein, aber kürzer hätte sich diese Geschichte auch nicht erzählen lassen. Wenn ihr die Zeit habt, seht ihn euch an. Es lohnt sich.