Claudia Kern

Wenn im Gehirn kein Platz mehr ist, kommen die Worte ins Internet

Wird es denn niemals enden

Das war mein erster Gedanke, als der Abspann von You Don’t Mess with the Zohan, Adam Sandlers Komödie über den israelisch-palästinensischen Konflikt, begann. Dem Film gelingt es, dem Zuschauer diese essentielle Frage mit selten gesehener Intensität nahe zu bringen. Wie lange muss die Welt das noch ertragen, fragt man sich. Wann wird die Vernunft einkehren und dem Leid ein Ende machen? Und wann endlich werden die Mächtigen unser leises Wimmern erhören und aufhören, Adam Sandler Filme drehen zu lassen?

Irgendwas muss mit meinem Popcorn nicht in Ordnung gewesen sein, als ich Hulk im Kino sah, denn ich fand den Trailer zu You Don’t Mess with the Zohan eigentlich ganz witzig und die Grundidee sogar originell. Zohan, ein übermenschlicher israelischer Geheimagent täuscht seinen eigenen Tod vor, um seinen Traum wahr zu machen und Friseur in New York zu werden. Man kann sich schon vorstellen, dass das lustig werden könnte, vor allem, weil Judd Apatow (Superbad) und Robert Smigel (Triumph, the Insult Comic Dog, wer Triumph nicht kennt, kann das hier und hier ändern) gemeinsam mit Sandler das Drehbuch verfasst haben. Was dann bei der gemeinsamen Arbeit passiert ist, bleibt unserer Phantasie überlassen, aber ich stelle mir das ungefähr so vor:

Apatow: “Lasst uns den Nahostkonflikt ironisch beleuchten und politisch echt inkorrekte Sachen sagen.”

Smigel: “Und dabei Araber, Israelis, Kapitalisten und Rechtsradikale gleichzeitig verarschen.”

Apatow: “Wir könnten Zohan benutzen, um dem Zuschauer die Sinnlosigkeit der Gewaltspirale auf zynische Weise zu demonstrieren.”

Sandler: “Guckt mal, in meinem Hintern steckt ein Fisch.”

Apatow: “Das ist nicht lustig.”

Sandler: “Natürlich ist das lustig.”

Smigel: “Nein, ist es nicht.”

Sandler: “Doch.”

Apatow: “Nein.”

Sandler: “Wer bezahlt euch?”

Stille.

Apatow: “Vielleicht, wenn der Fisch etwas größer wäre…”

Es könnte auch ganz anders gewesen sein, und alle Beteiligten waren von Anfang an der Meinung, You Don’t Mess with the Zohan solle sich nur um Sandler drehen: Sandler als DJ, Sandler als Geheimagent, Sandler als Friseur, Sandler als Gigolo, Sandler als Katzenfußballer (fragt nicht), Sandler als Friedensstifter. Einige von euch werden jetzt wahrscheinlich denken “hey, stell dich nicht so an, ist halt ein Adam-Sandler-Film. Hundert Minuten Schwachsinnswitze sind in Ordnung, wenn man das Hirn im Auto lässt.”

Stimmt, damit könnte man leben, wenn der Film witzig wäre. Nein, lasst mich das anders sagen: man könnte damit leben, wenn Zohan und das Wort “witzig” nicht auf unterschiedlichen Kontinenten existieren würden und zwar auf Kontinenten ohne gegenseitiges Visa-Abkommen, geteilt durch ein gewaltiges, schäumendes Meer aus Säure und irren magnetischen Störungen, das kein Schiff und kein Flugzeug je überqueren könnte. U-Boote kann man natürlich auch vergessen, und Telefon und Internet erst recht, weil es zwischen dem Witzig-Kontinent und dem Sandler-Kontinent keine… ja, ok, ich hör ja schon auf.

Nein, doch noch nicht, denn eine Zohan-Kritik wäre ohne einen Hinweis auf die verstörend schlechte Inszenierung und die Gastauftritte (halbwegs) bekannter Persönlichkeiten  unvollständig. George Takei taucht in einer Szene auf, Kevin James in einer anderen, und als Höhepunkt spielt Mariah Carey sich selbst und das auch noch schlecht. Wie es jemandem gelingt, sich selbst schlecht zu spielen, weiß ich zwar auch nicht, aber sie hat es tatsächlich geschafft. Diese Auftritte sind  größtenteils unmotiviert und scheinen nur einem Zweck zu dienen, nämlich dem Zuschauer zu suggerieren, der Film könne ja gar nicht so schlecht sein, bei all diesen berühmten Leuten.

Doch. Kann er.